Ein Gefangenentransport verlässt den Hof des Landgericht Braunschweig. © Picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte

"Maddie"-Verdächtiger vor Anhörung an Rippen verletzt

Stand: 17.11.2020 17:00 Uhr

Bei einer Anhörung des Verdächtigen im Fall Maddie vor dem Landgericht Braunschweig ist die Lage offenbar eskaliert. Nun laufen Ermittlungen wegen möglicher Körperverletzung.

Beim Anlegen von Fußfesseln habe sich der 43-jährige Christian B. Verletzungen an den Rippen zugezogen. Das teile das Landgericht Braunschweig mit. Nach Schilderung der Behörde wurde der Angeklagte daraufhin "kurzfristig im Krankenhaus behandelt", danach habe die Anhörung fortgesetzt werden können. Wie es zu dem Zwischenfall kam - dazu machte das Gericht aber keine weiteren Angaben, da das Geschehen nun Teil von Ermittlungen sei.

Verteidigung: "Üble Sache"

Der Anwalt des Angeklagten, Friedrich Fülscher, sieht den Vorfall offenbar als weniger glimpflich an: Er hat Strafanzeige gegen Justizbeamte wegen Körperverletzung gestellt. Gegenüber NDR 1 Niedersachsen sagte er, es sei so heftig zugegangen, dass sich sein Mandant zwei Rippen gebrochen habe. Er selbst sei in einen sehr lautstarken Disput mit dem Personal des Gerichts verwickelt gewesen und müsse diese, so wörtlich, "üble Sache", erst einmal sacken lassen. Aktuell liege das Verfahren bei der Polizei, so Staatsanwalt Chrisitan Wolters. Medien hatten zudem berichtet, dass sich der Verdächtige gegen die Fußfesseln gewehrt haben soll und es dann zu zwei Rippenbrüchen gekommen sei. Eine Bestätigung dessen durch Anwalt Fülscher gibt es allerdings bislang nicht.

Anhörung fand trotzdem statt

Zur Anhörung, bei der es nicht um den Fall der in Portugal verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann ging, kam es trotzdem. Bei dem Termin ging es um eine Haftstrafe wegen Drogenhandels, die B. derzeit in Kiel absitzt. Sein Anwalt hatte beim Landgericht Braunschweig beantragt, den Rest der Strafe zur Bewährung auszusetzen, weil B. hier mit letztem Wohnsitz gemeldet war. Was bei der Anhörung herausgekommen ist, war bislang nicht zu erfahren.

Haftentlassung nicht zu erwarten

Auch wenn dem Antrag stattgegeben werden sollte, wird nicht mit einer Freilassung des 43-Jährigen gerechnet. In diesem Fall dürfte nach Einschätzung der Gerichtssprecherin nämlich eine Untersuchungshaft in einem Vergewaltigungsfall greifen. Dazu würde er allerdings wohl von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen verlegt. B. soll im Jahr 2005 - rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden von "Maddie" - im portugiesischen Praia da Luz eine 72-Jährige vergewaltigt haben. Dafür war er im Dezember 2019 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Gegen diese Entscheidung hat der 43-Jährige Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Unter Mordverdacht im Fall "Maddie"

Anfang Juni hatten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig gemeinsam mitgeteilt, dass sie im Fall der vermissten "Maddie" gegen den mehrfach vorbestraften B. wegen Mordverdachts ermitteln. Das Mädchen war vor mehr als 13 Jahren kurz vor ihrem vierten Geburtstag in einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden - der Fall sorgt bis heute weltweit für Aufsehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 17.11.2020 | 17:00 Uhr

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