Stand: 05.01.2017 20:28 Uhr

Liebenburger Giftmüll-See: Letzte Etappe beginnt

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Unter der ehemaligen Deponie Morgenstern liegen Tausende Fässer mit Giftmüll (Themenbild).

Wer einen der giftigsten Orte in Niedersachsen sucht, wird bei Liebenburg im Landkreis Goslar fündig: Dort befindet sich unter der ehemaligen Hausmülldeponie Morgenstern seit Jahrzehnten ein riesiger unterirdischer Gift-See. In den 60er Jahren hatte das damalige Betreiber-Ehepaar auf dem Areal illegal Giftmüll entsorgt. Seit sechs Jahren ist der Landkreis Goslar dabei, die Deponie zu sanieren und die Altlast zu erkunden. Und 2017 soll die letzte Etappe der langwierigen Arbeit beginnen.

Abdichtung als letzte Etappe

Michael Riesen betreut die Arbeiten für den Landkreis. 2017 startet unter seiner Regie die wohl letzte große Bau-Aktion: die Abdichtung der Oberfläche der Müllkippe. Zwei Jahre solle das Ganze dauern, sagt Riesen: "Man muss eben verhindern, dass das Regenwasser durch den Deponiekörper, durch die Basisabdichtung und durch die Altlast fließt und eventuell dann auch Grundwasser verunreinigt."

Gefahr für das Grundwasser?

Für den Hydro-Geologen Friedhart Knolle, der schon vor Jahren dem Landkreis Untätigkeit in Sachen Morgenstern-Giftmüll vorwarf, sind die Altlasten eine Gefahr für das Grundwasser der umliegenden Gemeinden. "Durch dieses jahrzehntelange Nichthandeln der Behörden ist die Giftwolke natürlich in alle möglichen Grundwasserrichtungen ausgedehnt", sagt Knolle. "Im Süden liegt die Stadt Goslar, im Norden die Stadt Liebenburg, im Westen die Innerste, im Osten die Oker."

Mehr als 20 Millionen Euro Kosten

Das Problem: Keiner weiß, wo genau und wie viel von dem Giftmüll im Erdreich unter der Deponie liegt. Deshalb plant der Landkreis im nächsten Jahr eine neue Bohrung in 200 Metern Tiefe. Davon erhoffen sich Experten wie Knolle neue Informationen über die Gefahren und das Ausmaß des unterirdischen Giftmülls. "Die tun endlich das, was sie schon vor 20 Jahren hätten tun müssen", sagt Knolle. Die Kosten werden dem Experten zufolge eher noch steigen: "Es sind ja im Moment schon 20 Millionen Euro, aber es werden noch mehr werden." Die Sanierung wird nach Ansicht von Umweltschützer Knolle wohl "eine Jahrhundert-Aufgabe" sein.

Weitere Informationen

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Die Sanierung der illegalen Giftmülldeponie Morgenstern läuft offenbar erfolgreich. Pumpen fördern aus einem unterirdischen Gift-See ein übel riechendes Schadstoff-Gemisch zutage. (01.10.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.01.2017 | 10:00 Uhr

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