Stand: 05.03.2018 21:43 Uhr

Lage für Asklepios-Kliniken spitzt sich zu

von Sebastian Deliga, Annalena Grotheer

"Ich habe Schwestern erlebt, die am Morgen nach einer Nachtschicht gesessen und geweint haben, weil sie sagten, sie können das nicht mehr schaffen", sagt Günther Bauermeister. Er arbeitete von 2005 an über mehrere Jahre als Chefarzt und Gefäßchirug in den Harzkliniken Clausthal-Zellerfeld und Goslar, die seit 2003 vom Klinikkonzern Asklepios betrieben werden. 2016 kündigte Bauermeister, weil er die Zustände dort nicht mehr mittragen wollte. Zu wenig Personal, Druck auf die Pflegekräfte, Beschwerden von Patienten - ein guter Ruf klingt anders.

Gewerkschaften kritisieren Situation in Harzkliniken

Die Berichte über Missstände in den Asklepios Kliniken in Goslar und Clausthal-Zellerfeld gibt es schon seit Langem. Etwa, wenn es um die Versorgung der Patienten geht. "36 Patienten haben eine Pflegekraft. Wenn dann in der Nacht zwei Patienten Hilfe dieser Krankenschwester auf einmal benötigen, kann die sich nicht zweiteilen", sagt ver.di-Sprecher Jens Havemann. "Genau das zeigt eben das Problem. Da muss gehandelt werden", so Havemann. Die Gewerkschaft hofft, dass die Politik Krankenhäusern bald eine Mindestzahl von Pflegekräften gesetzlich vorschreibt.

Asklepios weist Vorwürfe zurück

Asklepios sagte auf Anfrage, die Pflegesituation in den Harzklinken sei nicht schlechter als in anderen Kliniken Deutschlands. Die Schuld liege bei den Krankenkassen. Nur wenn höhere Fallzahlen vorgewiesen würden, erhalte man mehr Fallpauschalen von den Krankenkassen und könne mehr Personal einstellen. Der Landkreis Goslar schaut mit großer Sorge auf die Krankenhaussituation im Harz. Im Jahr 2003 wurden die Krankenhäuser privatisiert und von Asklepios gekauft. Landrat Thomas Brych (SPD) ist seit fünf Jahren im Amt und beschäftigt sich von Anfang an mit den Harzklinken. Mit der damaligen Entscheidung die Krankenhäuser an einen privaten Träger zu verkaufen, scheint er mittlerweile zu hadern. Mittlerweile müsse man feststellen, dass in der ganzen Bundesrepublik auch der kommerzielle Aspekt sehr entscheidend sei.

Clausthal-Zellerfeld kurz vor der Schließung

Düster sieht auch die Situation in der Asklepios Klinik in Clausthal-Zellerfeld aus. Wer hier zum medizinischen Notfall wird, hat momentan keine andere Wahl, als den halbstündigen Weg nach Goslar auf sich zunehmen. Eine Notaufnahme gibt es in Clausthal-Zellerfeld nämlich nicht, lediglich eine Geriatrie, also eine Abteilung für Altersmedizin. Das ist einer der Gründe, warum der Verband der Ersatzkassen (VDEK) den Versorgungsvertrag gekündigt hat. Das hat es in Niedersachsen noch nie gegeben. Asklepios verlege Patienten von Goslar nach Clausthal-Zellerfeld und gefährde so deren Gesundheit, nur um die Klinik zu füllen, sagte Jörg Niemann, Leiter des VDEK.

Sozialministerium wird Kündigung widersprechen

Asklepios will gegen die Kündigung Widerspruch einlegen. Man wolle dem Versorgungsauftrag und den damit verbundenen Verpflichtungen nachkommen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Auch das niedersächsische Sozialministerium möchte die Klinik in Clausthal-Zellerfeld erhalten. Deshalb wird es der Kündigung ebenfalls widersprechen. Der Verband der Ersatzkassen hat bereits angekündigt, dass der Fall wohl vor Gericht landen wird.

Hohe Geldstrafe droht

Chefarzt Günther Bauermeister vermutet ganz andere Gründe dahinter, warum Asklepios an Clausthal-Zellerfeld festhält: Der Konzern müsste eine Million Euro jährlich an den Landkreis Goslar zahlen, wenn die Klinik geschlossen würde. Wenn allerdings die Krankenkassen die Klinik schließen, weil der Versorgungsauftrag entzogen wird, dann sei die Konventionalstrafe nicht mehr fällig. Auch die Schildautal-Klinik in Seesen gehört zu Asklepios. Dort haben mittlerweile 11 von 19 Ärzten gekündigt. Asklepios hat angekündigt die Stellen wiederzubesetzen.

Weitere Informationen

Endet Streit um Klinik vor Gericht?

Die Krankenkassen haben den Versorgungsvertrag mit der Asklepios-Klinik in Clausthal-Zellerfeld gekündigt. Das Land Niedersachsen hält dagegen. Am Ende könnte der Fall vor Gericht landen. (20.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 05.03.2018 | 19:30 Uhr

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