Stand: 15.04.2019 21:45 Uhr

Kommentar zu Winterkorn: "VW-Deutung nun Legende"

von Thorsten Hapke
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Thorsten Hapke leitet die Redaktion Landespolitik im NDR Fernsehen in Hannover.

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen: Viele haben gedacht, dass sich dieses Vorurteil auch beim VW-Dieselbetrug bestätigt. Sie haben sich geirrt. Martin Winterkorn war zwischenzeitlich Deutschlands bestbezahlter Manager, er hat den Machtkampf mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch gewonnen. Aber nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft gehört er auf die Anklagebank.

Es gibt nicht das eine Dokument

Natürlich: Auch die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus, dass Winterkorn den Betrug persönlich angeordnet hat. 2006 heckten offenbar Motoren-Entwickler aus, was Volkswagen später Milliarden kosten sollte. Aber acht Jahre später soll Winterkorn Kenntnis von der Betrugssoftware erlangt haben. Die Beweisführung dafür ist nicht einfach. Es gibt eben nicht das eine Dokument, den einen Vorstandsbeschluss, der Winterkorn belastet. Aber aus vielen Indizien und Aussagen ergibt sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ein eindeutiges Bild: Martin Winterkorn wusste im Mai 2014 über den Betrug Bescheid. Er stoppte ihn nicht, deshalb ist er schuldig.

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VW und die Legenden

Natürlich gilt für Martin Winterkorn die Unschuldsvermutung. Noch ist die Anklage nicht zugelassen, noch ist er nicht verurteilt und vielleicht gelingt es ihm und seinen Anwälten ja tatsächlich, die Richter von seiner Unschuld zu überzeugen. Aber dass der VW-Betrug das Werk einiger weniger Entwickler ist, wie es Volkswagen lange weismachen wollte, das ist seit heute Legende.

Schlappe für Aufsichtsratspräsidium

Peinlich ist die Anklage auch für das höchste Gremium bei Volkswagen, das Aufsichtsratspräsidium. Dem gehören unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh an. Am Tag von Winterkorns Rücktritt bescheinigten sie dem Konzernchef noch ausdrücklich, er habe keine Kenntnis von der Manipulation gehabt. Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft heute mit ihrer Anklage. Sie will verhindern, dass der Große, der frühere VW-Chef, laufen gelassen wird.

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Hallo Niedersachsen | 15.04.2019 | 19:30 Uhr

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