Stand: 24.09.2019 16:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Kommentar: Ermittlungen belasten auch Diess

Ein Kommentar von Wolfgang Kurtz, Redakteur Landespolitik

Wolfgang Kurtz, Redakteur der Redaktion Landespolitik steht im Studio von NDR 1 Niedersachsen. © NDR Foto: NDR
Die Anklage könnte für Herbert Diess zum Problem werden, meint Wolfgang Kurtz.

Der Mann, der den Autobauer Volkswagen in die Zukunft führen soll, muss nun für die Vergangenheit geradestehen. Konzernchef Herbert Diess, der mächtige Mann an der VW-Spitze, wird angeklagt. Dabei ist Diess der Mann, der Volkswagen fit machen soll für die Elektro-Mobilität. Er ist der Antreiber beim größten Konzernumbau in der Geschichte des Unternehmens. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Da kommt diese Anklage denkbar unpassend. Wenn auch wenig überraschend. Denn Herbert Diess hat ein Problem. Er ist einfach ein paar Monate zu früh von BMW zu Volkswagen gewechselt. Ein paar Monate, bevor der Dieselbetrug aufgeflogen ist. Und in diesen Monaten hat die VW-Spitze bereits gewusst, was auf den Autobauer zukommen wird. Und hätte darüber die Börse, sprich, die Anleger informieren müssen. So sieht es zumindest die Staatsanwaltschaft Braunschweig, nachdem sie jahrelang ermittelt hat.

Was wussten die VW-Manager?

VW argumentiert immer wieder, die Milliardenstrafen in den USA seien nicht vohersehbar gewesen. Das mag man glauben oder nicht. Allerdings verweist VW zu recht auf andere Fälle, bei denen Unternehmen zuvor viel glimpflicher davon gekommen waren. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig sieht jedenfalls ausreichend Hinweise, dass die VW-Manager sehr wohl wissen konnten, was auf den Konzern zukommt. Wer nun Recht hat, müssen Gerichte entscheiden. Für VW stellt sich aber noch eine ganz andere Frage: Kann es sich der Konzern leisten, dass der Vorstandschef regelmäßig vor Gericht erscheinen muss? Sich in einem komplexen Strafverfahren zu verteidigen, das kostet Nerven und Zeit.

Das wird Diess schwer belasten in einer Phase, in der er das Unternehmen auf neue Beine stellen muss, so viel ist klar. Aber einen erneuten Wechsel an der Spitze kann VW auch nicht gebrauchen - zu gerne würde man in Wolfsburg wieder zur Normalität zurückkehren. Und an der Zukunft arbeiten. Aber der Dieselskandal holt Volkswagen immer wieder ein. Und das zu recht, denn aufgeklärt und aufgearbeitet ist der Betrug noch lange nicht.

Weitere Informationen
Martin Winterkorn, damals Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Hans Dieter Pötsch, damals Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswagen AG und Herbert Diess, damals Vorstandsmitglied des Automobilbauers BMW im Portrait. © dpa Foto: Wolf, Hase, Pförtner

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen VW-Spitze

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen VW-Aufsichtsratschef Pötsch, Vorstandschef Diess und Ex-Vorstandschef Winterkorn. Offenbar wollen Pötsch und Diess im Amt bleiben. (24.09.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.09.2019 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein Polizeiwagen steht vor einer Polizeiwache.

Göttingen: Ermittlungen gegen Polizisten laufen

Ein im Internet kursierendes Video zeigt, wie ein Polizist einem jungen Mann in Göttingen kräftig ins Gesicht schlägt. Gegen den Beamten ermittelt jetzt eine andere Dienststelle. mehr

Arzt im blauen Kittel setzt eine Spritze mit Impfstoff an den Arm eines Patienten © picture alliance / dpa Foto: Caroline Seidel

Grippeimpfung: Mehr Impfdosen verfügbar

In Niedersachsen startet die Grippeimpfung, zunächt sind 1,4 Millionen Impfdosen verfügbar. Wegen der Corona-Pandemie sei die Impfung in diesem Jahr besonders sinnvoll, so die Behörden. mehr

Junge Geflüchtete verlassen den Flughafen Hannover mit einem Bus. © dpa - Bildfunk Foto: Peter Steffen

Demonstranten fordern Aufnahme von mehr Flüchtlingen

Hunderte Demonstranten sind am Wochenende in Braunschweig und Göttingen auf die Straße gegangen, um für die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen in Deutschland zu protestieren. mehr

Braunschweigs Suleiman Abdullahi (l.), der sein Gesicht im Trikot vergräbt, steht neben Heidenheims Patrick Schmidt. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Puchner/dpa

Heidenheim ist nicht Hertha: Braunschweig verliert

Eintracht Braunschweig hat nach dem rauschenden Pokal-Abend gegen Hertha BSC einen ernüchternden Zweitliga-Auftakt hingelegt. Der Aufsteiger verlor am Sonntag beim 1. FC Heidenheim mit 0:2. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen