Stand: 06.06.2020 12:27 Uhr

Kind stirbt nach Klinikbesuch - Ärztin vor Gericht

Stethoskop © panthermedia Foto: Sven Weber
Hat eine Ärztin in Salzgitter einen fünfjährigen Jungen unzureichend behandelt - und ist sie daher für dessen Tod mitverantwortlich? Das soll das Amtsgericht Salzgitter klären (Themenbild).

Zweieinhalb Jahre nach dem Tod eines fünfjährigen Jungen in Salzgitter muss sich die behandelnde Ärztin vor Gericht verantworten. Der Frau wird vorgeworfen, den Jungen nicht sachgemäß behandelt zu haben. Laut Staatsanwaltschaft führte dies dazu, dass sie eine schwere Erkrankung des Kindes nicht erkannte. Der Prozess soll am 7. Juli am Amtsgericht Salzgitter beginnen (Az.: 8 Ls 701 JS 61171/17). Sollte die Ärztin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden, droht ihr eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Zäpfchen nach Besuch der Notaufnahme

Das Kind war Mitte November 2017 in der Wohnung der Eltern gestorben. Kurz zuvor waren seine Eltern mit ihm die Notaufnahme gefahren, weil der Junge starke Bauchschmerzen hatte. Die beschuldigte Ärztin soll dem Jungen nach ihrer Untersuchung ein Zäpfchen verabreicht und ihn dann entlassen haben. Wenige Stunden später starb das Kind. Laut Obduktion kam er infolge einer ausgeprägten Bauchfellentzündung ums Leben.

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Ergänzendes Gutachten gefordert

Eigentlich sollte der Prozess bereits im Juli 2019 beginnen. Wegen eines von der Verteidigung geforderten zusätzlichen Gutachtens eines Sachverständigen wurde der Termin verschoben. In einem ersten Gutachten wurde der Ärztin, laut Staatsanwaltschaft eine unzureichende Behandlung des Kindes attestiert. Demnach wären umfassende Untersuchungen wie etwa eine Blutuntersuchung oder ein Ultraschall nötig gewesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 07.07.2020 | 08:00 Uhr

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