Stand: 10.08.2018 21:08 Uhr

"Ketchup-Gate"? Neues Rezept empört VW-Mitarbeiter

von Tino Nowitzki
Die VW Currywurst gehört zu Volkswagen, wie Passat und Golf. Traditionell gewürzt wird sie mit dem VW Ketchup, dessen neue Rezeptur nun die Gemüter erhitzt.

Volkswagen-Mitarbeiter mussten zuletzt viel verkraften: Erst Diesel-Gate, dann die Affen-Tests und zu guter Letzt auch noch Stillstand an den Bändern. Doch eines schlägt den VW-Werklern nun auf den Magen. Der Grund ist zähflüssig, tomatenrot und kommt in der Glasflasche: Der VW Ketchup, untrennbare Beilage zur VW Currywurst, hat ein neues Rezept. Was banal klingt, löst bei vielen VW-Mitarbeitern heftige Emotionen aus. Entsprechend heiß wird nun die Diskussion geführt: Ist der neue Ketchup schmackhaft oder als offizieller Volkswagen-Wurst-Dip schlicht abzulehnen? Droht eine der letzten Bastionen der Volkswagen-Tradition zu fallen? Der Konzern kommt in Erklärungsnot.

Akribische Test-Reihen

Links alt, rechts neu: Flasche und Etikett des VW Ketchup haben sich geändert. Für VW-Mitarbeiter sicher verschmerzbar, wenn da nicht ein vermeintlicher Geschmacksunterschied wäre ...

Was ist passiert? Anfang 2017 suchte VW einen neuen Produzenten für seinen Ketchup, der für VW-Kantinen und Supermärkte und nach einer geheimen Rezeptur hergestellt wird. Es folgte eine gründliche Testphase, bei der es nicht weniger akribisch zuging als bei einem neuen Golf-Modell. "Wir hatten Bewerbungen von zwölf Ketchup-Herstellern", sagt der Chef der Gastronomie bei Volkwagen, Martin Cordes NDR.de. Die Vorgabe: die gleiche Farbe und den gleichen Geschmack wie bei dem alten VW Ketchup zu erreichen. Der Versuchsaufbau: Ausgewählte Probanden verkosteten im Blindversuch den "Alt-Ketchup" und das Vergleichsprodukt. "Schmeckt gut", reichte als Bewertung nicht aus. Für die VW-Tüftler musste es ganz genau sein: zitronig, tomatig, fruchtig - fast wie bei einer Weinverkostung. Tatsächlich sei Ketchup da auch gar nicht so anders, so Cordes. Nach Hunderten Tests - auch in Restaurants - habe ein Produkt die Nase vorn gehabt und ging im vergangenen Frühling in die Produktion. Doch es gab ein Problem.

VW-Mitarbeiter erzürnt

"Nicht mehr original!", "Der schmeckt anders, leider nicht besser", "Schade, dass an alten Traditionen herumgeschraubt werden muss" - die Reaktionen vieler VW-Mitarbeiter, vor allem im Internet, sind vernichtend. Sogar von der Zerstörung alter Kulturgüter ist die Rede. Zwar gibt es auch Kommentare, die die neue Kreation loben. Doch sie scheinen in der Minderheit. Stattdessen tun sich Verschwörungstheorien auf: Weniger Fett und Zucker, mehr Tomatenmark und vermeintlich gar kein Curry mehr im Curry-Ketchup. Droht ein "Ketchup-Gate"?

Ketchup: Eine Wissenschaft

Cordes sagt: "Ja, wir haben die Zusammensetzung verändert." Allerdings sei das nötig gewesen, um an den Geschmack des Originals heranzukommen: Andere Tomaten, verschiedene Temperaturen und Karamellisierungs-Grade - ein neuer Hersteller schaffe neue Herausforderungen. Es sei eine Wissenschaft für sich. Allerdings befinde sich noch immer Curry im Ketchup. Wegen neuer Regeln müssten die bis zu 21 verschieden Gewürze, die ein Curry ausmachen, nun jedoch einzeln in der Zutatenliste auftauchen. "Wenn das Etikett sich nicht geändert hätte, hätte wahrscheinlich keiner was bemerkt", sagt Cordes, der den neuen Ketchup grundsätzlich "lecker" findet. Wobei auch der Gastro-Chef einräumen muss: So ganz wie der alte ist der neue wohl doch nicht.

Volkswagen gelobt Besserung

Bild vergrößern
Martin Cordes ist Chef der Gastronomie bei Volkswagen und sagt: "Wir mussten das Rezept ändern."

Laut Cordes Urteil ist die Schärfe im neuen VW Ketchup tatsächlich etwas "präsenter" als zuvor. "Man spürt sie jetzt auch eher auf der Zungenspitze und nicht im Rachenbereich, wie früher", sagt der Experte. Seine Erklärung: ein Planungsfehler. Die Testphasen fanden mit kleinen Chargen statt - doch in der Großproduktion könne sich der Geschmack noch einmal verändern. Hinzu komme, dass durch die Lagerung der Flaschen der Ketchup darin nachreife. "Eben wie bei einer guten Flasche Rotwein", sagt Cordes. Und nun? "Wir werden das überprüfen und nachbessern", verspricht der Gastronomie-Chef von Volkswagen. Protest-Aktionen in der VW-Kantine habe es bislang jedenfalls nicht gegeben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 09.08.2018 | 16:45 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:34
Hallo Niedersachsen

Atomgegner protestieren gegen Schacht Konrad

20.10.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:56
Hallo Niedersachsen

Ärztemangel: Weiterhin zu wenige Studienplätze

20.10.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:11
Hallo Niedersachsen

"Plattsounds" in Leer: Bands im Wettstreit

20.10.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen