Stand: 04.08.2017 17:33 Uhr

Inhaftierter VW-Manager bekennt sich schuldig

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Oliver Schmidt wurde vor seiner Rückreise nach Deutschland am Flughafen von Miami vom FBI festgenommen.

Nach monatelangen Unschuldsbeteuerungen hat der in den USA inhaftierte VW-Manager Oliver Schmidt ein Geständnis abgelegt. Vor einem Bundesgericht in Detroit bekannte er sich am Freitag in zwei Anklagepunkten schuldig. Die US-Behörden werfen ihm Verschwörung zum Betrug an den USA sowie einen Verstoß gegen Umweltgesetze vor. Der aus Stadthagen (Landkreis Schaumburg) stammende Schmidt war am 7. Januar nach einem Urlaub in Florida am Flughafen von Miami festgenommen worden und sitzt seitdem im Gefängnis.

Neun Anklagepunkte fallengelassen

Durch das Schuldbekenntnis reduziert sich das mutmaßliche Strafmaß erheblich. Ursprünglich hätten Schmidt, der eine Mittäterschaft im Abgas-Skandal zunächst abgestritten hatte, bei elf Anklagepunkten im Extremfall bis zu 169 Jahre Haft gedroht. Nachdem die Anwälte des Managers vor knapp zwei Wochen den zuständigen Richter informierten, dass ihr Mandant geständig sein würde, wurden neun Anklagepunkte fallengelassen - darunter auch der schwerwiegende Vorwurf des betrügerischen Einsatzes von Telekommunikationsmitteln.

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Maximal sieben statt 169 Jahre Haft

Wegen Mittäterschaft bei Betrug und mutwilliger Verletzung des Luftreinhaltegesetzes steht eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Dollar im Raum. Welches Strafmaß Schmidt letztlich erhält, dürfte maßgeblich davon abhängen, inwieweit er zur Kooperation mit den Ermittlern bereit ist. Die US-Behörden setzen offenbar darauf, von dem VW-Manager Insiderwissen über die Hintergründe des Abgas-Skandals zu erhalten. Das Urteil soll am 6. Dezember fallen.

Keine Auslieferung der anderen Angeklagten

Schmidt war in den USA für VW von Februar 2012 bis März 2015 in leitender Position für die Abstimmung mit den Umweltbehörden zuständig. Er ist einer von sechs VW-Managern, die in den Vereinigten Staaten angeklagt sind. Die anderen fünf halten sich nicht in den USA auf und müssen auch keine Auslieferung fürchten. Auf der Liste der US-Fahnder steht auch der frühere Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.08.2017 | 16:00 Uhr