Stand: 27.03.2019 20:43 Uhr

In die Cloud: VW und Amazon gehen Kooperation ein

VW-Vorstand Herbert Diess hat sich mehrfach mit Amazon-Chef Jeff Bezos getroffen.

Zwei internationale Wirtschaftsriesen wollen bald zusammenarbeiten. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zunächst am Mittwoch berichtet, dass der Volkswagen-Konzern und Amazon eine Kooperation planen. Der Autobauer aus Wolfsburg bestätigte das mittlerweile. Ziel soll die strategische Vernetzung aller 122 VW-Werke und Lager über die "Volkswagen Industrial Cloud" sein. Die benötigte Industrie-Cloud und Rechenkapazitäten stellt Amazon. Der Konzern ist vor allem als weltgrößter Online-Händler bekannt, hat aber auch enorme Serverkapazitäten. Dienste wie Netflix oder Dropbox laufen ebenfalls darüber.

Diess: "Ich freue mich, gemeinsam die Zukunft zu gestalten"

Es sei eine mehrjährige Entwicklungszusammenarbeit mit der Amazon-Tochter Amazon Web Services (AWS) vereinbart worden, so Volkswagen. Vor einer Woche besuchte VW-Vorstand Herbert Diess die "Mars"-Konferenz von Amazon-Chef Jeff Bezos, eine Zusammenkunft von Automatisierungs-, Robotik- und Weltraumexperten. In dem Businessnetzwerk LinkedIn veröffentlichte Diess ein gemeinsames Foto mit Bezos, dem reichsten Mann der Welt. "Ich freue mich, gemeinsam die Zukunft zu gestalten", schrieb der VW-Chef dazu.

Vernetzt mit Amazons Hilfe

Diess hat angekündigt, die Automobil-Produktion weltweit - mit Ausnahme des Standorts China - bis 2025 um ein Drittel zu steigern. Damit sich die Zentrale in Wolfsburg einen besseren Überblick über Montageanlagen, Bänder, Lieferanten und Produktionsmengen machen kann, sollen alle Fabriken und Lager digital miteinander verbunden werden. Das Problem war bislang, dass es keine einheitlichen Softwaresysteme gibt.

Schlanker, beweglicher, schneller: VW kooperiert auch mit Microsoft

Amazon wäre nicht der einzige Partner von Weltformat. Volkswagen mit seinem Marken VW, Audi, Skoda, Scania und der Luxusmarke Lamborghini kooperiert bereits mit dem Softwarehersteller Microsoft in Sachen Vernetzung von Autos. Mit dem amerikanischen Autobauer Ford entwickeln VW-Ingenieure Kleintransporter und Fahrassistenzsysteme. Die Zusammenarbeit mit Amazon wäre ein nächster Schritt zur Digitalisierung. "Wir müssen schlanker, beweglicher, schneller werden, um beim Tempo der neuen Mitbewerber mithalten zu können", hatte Diess vergangene Woche auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg gesagt. VW hatte im November für die nächsten fünf Jahre Investitionen in Höhe 44 Millionen Euro für Digitalisierung, E-Mobilität und autonomes Fahren angekündigt.

Innovationszentrum in Berlin geplant

Mittelfristig sollten etwa 220 Experten von VW und Amazon Web Services an den Cloud-Plänen arbeiten, die Entwicklung beginne "ab sofort", hieß es. In Berlin sei ein gemeinsames Innovationszentrum geplant. Zu den Projekten zähle ein Dienst, der Warentransporte innerhalb und außerhalb der Fabrik lokalisieren könne. Analysedienste sollten berechnen, wie effizient die Maschinen arbeiteten. Darüber hinaus entwickelt Volkswagen mit Hilfe von Microsoft die "Volkswagen Automotive Cloud", die alle digitalen Dienste und Mobilitätsangebote des Autobauers bündelt. Damit will VW in der Lage sein, digitale Dienste auf die ganze Flotte auszuweiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 27.03.2019 | 13:30 Uhr

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