Stand: 29.05.2014 09:38 Uhr

Forscher finden jahrtausendealte Höhle

Der Bohrer rattert und röhrt. Er gräbt sich Stück für Stück in die Tiefe. Oben steht eine Gruppe Wissenschaftler, die vor Spannung den Atem anhält. Seit Jahren haben die Experten eine Vermutung und jetzt ist der Moment gekommen, in dem sie sich entweder bestätigt oder als völlig falsch herausstellt. Die Forscher stehen am Dienstag nahe der sogenannten Blauen Grotte der Einhornhöhle bei Scharzfeld (Landkreis Osterode). Die Höhle, so glauben sie, ist größer als bislang bekannt. Plötzlich ist der Bohrer durch. Er hat tatsächlich einen Hohlraum getroffen. Eine zusätzliche Höhle, wahrscheinlich seit Jahrtausenden unberührt. Oben am Bohrloch bricht spontaner Jubel aus.

Mit dem Bohrer in die Vergangenheit

Erste Bilder begeistern Forscher

Eine Kamera, die durch das Bohrloch geführt wird, macht Bilder vom Inneren der "neuen" Höhle. Oben verfolgen die Forscher die Kamerafahrt am Bildschirm. Und sie sind begeistert: Der Höhlenraum, der in ungefähr elf Meter Tiefe liegt, hat eine Spannweite von 20 Metern, vielleicht mehr. Noch konnten nicht alle Bereiche ausgeleuchtet werden. Der Raum ist mit einer dicken Schicht Sediment gefüllt.

Knochen von Höhlenbären entdeckt

Die Wissenschaftler haben allen Grund zur Euphorie, denn jetzt folgen wahrscheinlich weitere spektakuläre Entdeckungen. Sie werden nicht enttäuscht: In dem Raum liegen Knochenteile eines Höhlenbären - und das ist nur der erste, spontane Fund. Ralf Nielbock, Betriebs- und Grabungsleiter der Einhornhöhle, geht davon aus, dass der Hohlraum seit der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren verschlossen war.

Welche Funde werden folgen?

Auf die Bilder der Kamera werden sich jetzt Geologen des Leibniz-Instituts Hannover und der Freien Universität Berlin stürzen: Sie wollen die Aufnahmen auswerten und eine dreidimensionale Karte der Höhle erstellen. Die Geologen, Geophysiker und Höhlenforscher sind derweil hochgradig gespannt, was sie in den kommenden Wochen aus der jahrtausendealten Höhle zutage fördern werden.

Weitere Informationen

In der Höhle der Bären und Wölfe

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Höhle seit Jahrhunderten bekannt

1541 wurde die Einhornhöhle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sie ist aber mehr als fünf Millionen Jahre alt. Ihren Namen gaben ihr in der Höhle entdeckte Knochen: Deren Finder glaubten, sie hätten Überreste von Einhörnern gefunden. Sogar der Gelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz befasste sich mit der Legende des Einhorns. 1872 erkundete dann der bekannte Forscher Rudolf Virchow die Höhle und stellte systematische Untersuchungen an. Dabei konnte er die Knochenfunde rund 70 Tierarten zuordnen, darunter Höhlenbären, Höhlenlöwen und Wölfen. Seit 1905 ist die Höhle offen für Touristen. Etwa 25.000 Besucher lockt die Höhle jedes Jahr an.

Karte: Die Einhornhöhle

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.05.2014 | 14:00 Uhr

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