Stand: 27.02.2020 14:06 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Goslar: Farbanschlag auf Bürgermeister-Haus

Das Haus von Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) ist in der Nacht zu Mittwoch mit Farbbeuteln attackiert worden.

Unbekannte haben in der Nacht auf Mittwoch Farbbeutel auf das Haus von Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) geworfen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Laut Polizei waren die Beutel mit grüner, roter und brauner Farbe gefüllt. Junk nannte die Tat feige. Es sei eine neue rote Linie überschritten worden. "Neben einem erheblichen Sachschaden am Gebäude bleibt vor allem das ungute Gefühl, dass jemand Bewegungsmelder ausgeschaltet und sich Zugang zu unserem Privatgrundstück verschafft hat", teilte Junk auf seiner Homepage mit. Und weiter: "Damit sollte wohl meiner Familie und mir die vermeintliche Schutzlosigkeit verdeutlicht werden." Die Hintergründe für den Farbbeutelwurf sind unklar, die Polizei ermittelt.

Junk: "Jeden Tag 'eigenartige' E-Mails"

Für Junk ist der Vorfall das Abbild einer zunehmenden Verrohung in der Sprache - und offenbar nicht der erste Angriff. "Oberbürgermeister, auch in Goslar, bekommen beinahe jeden Tag 'eigenartige' E-Mails, Briefe, Beleidigungen, Drohungen oder Einschüchterungsversuche – sowohl über dienstliche als auch private Kanäle", schreibt der 44-Jährige. "So traurig es ist, es gehört heute zur Berufsbeschreibung eines Kommunalpolitikers und Bürgermeisters."

Politiker immer häufiger Zielscheibe von Gewalt

Beispiele aus jüngster Vergangenheit stützen die Aussage. Ende Dezember war ein Auto auf einem Grundstück im Heidekreis in die Luft geflogen. Auf dem Gelände wohnt unter anderem Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring (parteilos). Die Polizei ermittelte, dass die Explosion durch einen Sprengsatz herbeigeführt worden war. Am 31. Dezember trat der Bürgermeister von Estorf (Landkreis Nienburg), Arnd Focke, nach wochenlangen rechten Drohanrufen zurück. Auch nach dem Rücktritt hörten die Beleidigungen nicht auf. Auch Hannovers neuer Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sieht sich ständiger Hetze und Rassismus ausgesetzt.

"Bürgermeister und Kommunalpolitiker sind kein Freiwild"

Junk lässt sich nicht unterkriegen: "Ich werde mich auch in Zukunft nicht mundtot machen lassen. Auch nicht von Farbbeuteln an der Hauswand. Aber klar muss auch werden: Gewählte Bürgermeister und Kommunalpolitiker sind kein Freiwild." Auf NDR Nachfrage wollte Junk sich nicht weiter äußern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.02.2020 | 10:00 Uhr

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