Stand: 19.06.2020 15:13 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Göttingen: Was macht Hochhäuser zum Corona-Hotspot?

von Theresa Moeckel
Erneut ist in Göttingen ein Hochhauskomplex Schwerpunkt eines Corona-Ausbruchs.

In Göttingen verunsichert derzeit ein zweiter massiver Corona-Ausbruch die Menschen. Erneut ist ein Hochhaus zum Infektions-Hotspot geworden. Wieder handelt es sich um einen Wohnkomplex, in dem viele Menschen auf engem Raum leben. Dem Wohnraum-Atlas Göttingen zufolge ist der zusätzliche Bedarf an Mietwohnungen in den vergangenen Jahren nicht nur größer geworden, sondern im günstigen Preissegment systematisch vernichtet worden. So wohnen in den 17 bis 39 Quadratmeter kleinen Wohnungen des nun betroffenen Hochhauses mehrköpfige Familien. Gerade in engen, geschlossenen Räumen kann eine infizierte Person das Virus leicht an andere übertragen. Gibt es darüber hinaus auch außerhalb der Familien Wege, über die sich das Coronavirus in einem Hochhaus so rasant verbreitet?

Aufzug als Hotspot der Virusverbreitung

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Eberhard Bodenschatz erforscht die Verbreitung von Aerosolen.

Antworten darauf hat Eberhard Bodenschatz, Professor für Fluidphysik, Strukturbildung und Biokomplexität am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Er erforscht die Verbreitung von Aerosolen - das sind winzig kleine Schwebeteilchen, über die das Coronavirus übertragen werden kann. Ein regelrechter Hotspot für Viren ist laut Bodenschatz der Aufzug. "In Aufzügen hat man nicht nur das Problem, dass es sehr enge Räume sind, sie sind außerdem oft schlecht oder gar nicht belüftet." Erschwerend komme hinzu, dass es in der Natur von Hochhäusern liege, dass sie viele Stockwerke haben und viele Anwohner deshalb auf die Nutzung des Fahrstuhls angewiesen seien.

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Wichtig: Treppenhäuser gut belüften

Was Treppenhäuser und Flure angehe, spielt hier nicht vorrangig die Größe, sondern ebenfalls die Belüftung die entscheidende Rolle. Gibt es in Hausfluren geöffnete Fenster auf gegenüberliegenden Seiten, sorgen sie automatisch für Durchzug, wodurch sich die Aerosole verflüchtigen. Laut Bodenschatz gibt es deshalb drei entscheidende Maßnahmen, um das Infektionsrisiko zu senken - und zwar nicht nur in Hochhäusern oder großen Wohnanlagen:

  • Maske tragen und Abstand halten
  • Hände waschen
  • für ausreichend Belüftung sorgen

Ventilator vor Aufzug-Tür könnte helfen

Auch für die Aufzug-Problematik hat Bodenschatz eine Lösung: In jedem Stockwerk müsste ihm zufolge vor der Aufzugstür ein kleiner Ventilator platziert werden. Wenn sich die Türen öffneten, würde er für einen Luftaustausch sorgen. Regelmäßiges Händewaschen helfe zudem nach Kontakten mit Treppengeländern oder Aufzug-Tasten. Hier könnten sich sogenannte Trockenaerosole absetzen, die auch zu einer Infektion führen können, so Bodenschatz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.06.2020 | 15:00 Uhr

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