Stand: 30.07.2020 13:46 Uhr

Forscher: Regionale Corona-Lockdowns sind richtig

Außenaufnahme von einem unter Quarantäne gestellten Wohngebäude. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner/dpa
Zweimal wurde in Göttingen ein Hochhaus zum Corona-Hotspot.

Wenn es in einem Hochhaus, einem Restaurant oder in einem Betrieb zu einem Corona-Ausbruch kommt, kann es schnell einen regionalen Lockdown mit erheblichen Einschränkungen für das Leben der Menschen geben. So geschieht es gerade in Heide im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) wegen steigender Infektionszahlen. Wissenschaftler des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation halten das für den genau richtigen Weg, wie NDR 1 Niedersachsen am Donnerstag berichtet. Die Forscher haben am Computer mögliche Verläufe der Corona-Pandemie simuliert und festgestellt: Regionale Lockdowns sind effektiver als nationale.

Schwellenwert von 50 auf zehn senken

Außerdem plädieren sie dafür, dass der Schwellenwert heruntergesetzt werden sollte. Sie empfehlen einen Schwellenwert von nur zehn Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Bisher liegt dieser Wert noch bei 50. Ist dieser überschritten, können Landkreise und Städte das öffentliche und in Teilen auch das private Leben deutlich einschränken. Natürlich könnte solch ein niedriger Schwellenwerte zunächst zu mehr Lockdowns führen, sagt Ramin Golestanian, Direktor der Abteilung "Physik lebender Materie". Aber langfristig betrachtet müssten sich Betroffene weniger einschränken als bisher.

Regionale Herde schnell ersticken

Schon bevor der Schwellenwert erreicht werde, sollte mehr getestet werden, um die Zahl unentdeckter Fälle gering zu halten, sagt der Wissenschaftler und macht auch deutlich: Im Vergleich zu einer nationalen Strategie könnten regionale Maßnahmen den Lockdown erheblich verkürzen, in manchen Fällen um den Faktor zehn. Allerdings dürfe es dafür nur wenige überregionale Infektionen geben. Dann könnten lokale Ausbrüche schneller ersticken als durch überregionale Kontakte neue entstehen. Die Studie umfasst Simulationen für Deutschland, England, Italien und die US-Staaten New York und Florida für die nächsten fünf Jahre.

Vechta zeitweise kurz vor Lockdown

In Göttingen war es Ende Juni zu zwei massiven Corona-Ausbrüchen in Hochhauskomplexen gekommen. Mehr als 200 Menschen hatten sich infiziert, über 600 Bewohner mussten in Quarantäne. Im Juli infizierten sich Dutzende Mitarbeiter einer Wiesenhof-Schlachterei in Lohne (Landkreis Vechta). Dort drohte zeitweise der Lockdown.

Zu einem Lockdown führte der Ausbruch bei der Großschlachterei Tönnies in Gütersloh (Nordrhein-Westfalen). Einige Wochen durften die Anwohner nicht zum Urlaub nach Niedersachsen kommen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.07.2020 | 12:00 Uhr

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