Stand: 28.04.2020 15:10 Uhr

Flyer sensibilisiert Nachbarn für häusliche Gewalt

Eine Frau sitzt mit dem Rücken zur Wand und streckt eine Hand abwehrend vor dem Gesicht aus. © NDR Foto: Julius Matuschik
Die soziale Isolation in Corona-Zeiten könnte ein Grund für den Anstieg von häuslicher Gewalt in Wolfenbüttel sein. (Themenbild)

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Homeoffice und geschlossenen Kindertagesstätten verbringen viele Familien derzeit ungewohnt viel Zeit miteinander. Das kann unter Umständen zu erheblichen Spannungen führen. Die Häufigkeit gewalttätiger Übergriffe in Familien hat laut Tanja Friese von der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking in Wolfenbüttel (BISS) zugenommen. Ob das unmittelbar mit der Corona-Pandemie zusammenhängt, sei nicht bestätigt, aber wahrscheinlich. Landesweit ist dieser Trend nach Angaben des Sozialministeriums derzeit nicht erkennbar. Zusammen mit dem Justizministerium nimmt es sich aber der Sache an. So hat der Landespräventionsrat die Kampagne "Hast du das auch gehört? - Was tun bei häuslicher Gewalt in der Nachbarschaft?" ins Leben gerufen. Daran beteiligt sich jetzt auch die Wolfenbütteler Bau-Gesellschaft WoBau.

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"Haben Sie Mehl?" - Konfliktsituation unterbrechen

Die WoBau verteilt die Infoflyer des Landespräventionsrats an ihre Mieter. Denn oft sind es Nachbarn, die als erstes mitbekommen, wenn ein Streit in der Wohnung nebenan aus dem Ruder läuft. Die Broschüre liefert ihnen Verhaltenstipps. So könnten sie beispielsweise bei den streitenden Nachbarn nach Mehl fragen - auch wenn sie eigentlich keins bräuchten. Denn so könne eine Konfliktsituation unterbrochen werden. Auch ein Gespräch mit anderen Nachbarn wird empfohlen, nach dem Motto: "Hast du das auch gehört?" Die Flyer raten auch dazu, ein Gespräch mit der betroffenen Person unter vier Augen zu führen - und vorsichtig nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. Wer das Gefühl habe, die Situation bei den Nachbarn werde bedrohlich, sollte zudem nicht zögern, die Polizei zu rufen, heißt es weiter in der Broschüre.

Mehr Anfragen als Plätze in Wolfenbüttel

"Unser Frauenhaus ist momentan voll besetzt", sagt Friese von BISS in Wolfenbüttel. Fünf Anfrage habe die Beratungsstelle in der vergangenen Woche sogar ablehnen müssen. Glücklicherweise habe man die Betroffenen aber an andere regionale Frauenschutzhäuser vermitteln können. Auch das Hilfetelefon habe vermehrte Anfragen registriert, so Friese. Sie appelliert an Nachbarn, mit ihrer Hilfe nicht zu zögern. "Wenn eine Frau sich endlich an ein Frauenhaus wendet, hat sie in der Regel im Durchschnitt acht Jahre Gewalterfahrungen hinter sich", sagte sie. Für Betroffene ist das Frauenhaus in Wolfenbüttel rund um die Uhr über die Telefonnummer (05331) 41188 erreichbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 28.04.2020 | 13:30 Uhr

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