Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft, liegen auf einem Impfzertifikat. © picture alliance/dpa/Stefan Puchner Foto: Stefan Puchner

Falsche Corona-Impfausweise: Ermittlungen gegen zwei Ärzte

Stand: 23.07.2021 13:06 Uhr

Polizei und Staatsanwaltschaft Hildesheim haben eine Gemeinschaftspraxis im Landkreis Gifhorn durchsucht. Die Mediziner stehen im Verdacht, falsche Corona-Impfausweise ausgestellt zu haben.

Über die Anzahl der Fälle könne bisher nur gemutmaßt werden, möglich sei eine zweistellige Zahl, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Auch das mögliche Motiv ist noch unklar. Dass sich die Verdächtigen bereichern wollten, sei eher unwahrscheinlich, da die Praxis an so einem Stempel so gut wie nichts verdiene, so der Sprecher.

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Auch Patienten drohen empfindliche Strafen

Bei der Durchsuchung der Praxisräume am Mittwoch hatten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft unter anderem Patienten-Unterlagen und Computer-Daten sichergestellt. Das Material müsse nun ausgewertet werden, hieß es. Gegen die Ärzte in der Gemeinschaftspraxis wird nun wegen gewerbsmäßigen Betrugs und der Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse ermittelt. Im Falle einer Verurteilung ist eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren möglich. Auch die Patienten, die sich einen gefälschten Impf-Nachweis ausstellen lassen, machen sich unter Umständen strafbar. Und zwar dann, wenn sie ihren Arzt quasi dazu anstiften, ihnen Stempel und Unterschrift in den Impfpass zu setzen. Darauf stehen eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft.

Masern-Scheinimpfungen als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt für die Ermittlungen war eine anonyme Anzeige, bei der es zunächst um den Verdacht von Scheinimpfungen gegen Masern ging. Die Ermittler vermuten, dass die Mediziner auf Wunsch der Eltern den Kindern statt eines Impfstoffes Kochsalzlösung verabreicht haben. In der Folge stellte sich heraus, dass in der Gemeinschaftspraxis möglicherweise auch "in größerem Umfang" falsche Corona-Impfausweise ausgestellt worden sind. Wegen des Verdachts nicht gespritzter Masern-Impfstoffe wird auch wegen Körperverletzung gegen die Mediziner ermittelt.

Ärztekammer sind rund 100 ähnliche Fälle bekannt

Die Ärztekammer Niedersachsen reagierte bestürzt auf die Vorwürfe. Wir missbilligen das ausdrücklich", sagte ein Sprecher dem NDR in Niedersachsen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, sei das "unverantwortlich und ungeheuerlich". Es werde auch berufsrechtlich ermittelt. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe sich die Kammer mit rund 100 ähnlichen Fällen befasst, so der Sprecher. Die Bandbreite reiche vom Leugnen oder Herunterspielen der Pandemie bis hin zum Ausstellen von falschen Impfausweisen oder Masken-Attesten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 23.07.2021 | 15:00 Uhr

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