Stand: 05.05.2017 13:01 Uhr

Fahrer bei privatem Crashtest schwer verletzt

Es ist viel los an einem Sonnabend Ende April nahe Fürstenhagen. Auf einem Feldweg will eine Firma aus dem Raum Uslar (Landkreis Northeim) einen neu entwickelten Sperrblock testen, der zum Schutz vor Terrorangriffen dienen soll. Dafür fährt ein 48-Jähriger mit einem Lkw gegen den Block. Schaulustige haben sich eingefunden, einige filmen den Test, der nun im Internet zu sehen ist. Und das ist kein Video für schwache Nerven, denn die Sperre hält dem Aufprall stand, der Lkw kracht hinein, hebt vom Boden ab - und der Fahrer wird schwer verletzt. Gegen die Firma ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Göttingen.

War Fahrer sich der Gefahr bewusst?

Die Staatsanwaltschaft prüft den Vorfall auf mögliche fahrlässige Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Der Fahrer habe zwar freiwillig an dem Test teilgenommen, so ein Sprecher. Es müsse aber ermittelt werden, ob ihm alle gefährlichen Details bekannt waren. Dazu würden Zeugen befragt und Beweismittel sichergestellt. Eine behördliche Genehmigung für den Test hatte der Firmenchef nicht eingeholt. Das teilte der Landkreis Northeim mit. Der Test habe auf privatem Gelände stattgefunden, so die Kreisverwaltung. Ob eine Genehmigung dennoch notwendig gewesen wäre, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft noch nicht sagen - dies werde im Rahmen der Ermittlungen geprüft. Noch stehe die Staatsanwaltschaft ganz am Anfang.

Feuerwehr und Sanitäter vor Ort

Für eine inoffizielle Aktion war der Crashtest groß angekündigt und offensichtlich sorgfältig geplant. Rettungssanitäter standen bereit. Die Uslarer Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen und zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, wie auf dem Handyvideo im Internet zu sehen ist. Die Feuerwehrleute waren es dann auch, die den Fahrer mit Mühe aus dem Lkw befreiten. Dieser sei mit einem selbstgebastelten Überrollkäfig versehen gewesen, berichtete die "Hessische / Niedersächsische Allgemeine" (HNA) am Donnerstag. Mit einem Rettungshubschrauber wurde der Verletzte ins Göttinger Universitätsklinikum geflogen und notoperiert. Der Lkw-Fahrer ist der Zeitung zufolge auch als Stockcar-Fahrer aktiv. Er sei Mitte der Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden, werde aber weiter medizinisch behandelt, sagte ein Polizeisprecher NDR.de.

Experte: Fahrer hat im Crashtest nichts zu suchen

Dass der Test für den Lkw-Fahrer im Krankenhaus endete, ist für Guido Folster kaum überraschend. Der Leiter des Crashtest-Centers der Prüfgesellschaft Dekra in Neumünster (Schleswig-Holstein) schätzte es im Gespräch mit NDR.de als "grob fahrlässig" ein, einen solchen Crashtest mit einem Fahrer durchzuführen. Auch ein Überrollkäfig vermindere die Belastung des Körpers und die Verletzungsgefahr nicht.

Bürgermeister: Davon ausgegangen, dass Test genehmigt ist

Jörg Jacob, Stadtbrandmeister in Uslar, sagte der HNA, die Feuerwehren Fürstenhagen und Uslar seien an dem Tag, dem 22. April, zu einer Übung in technischer Hilfeleistung verabredet gewesen. Nach dem Test sollten die Feuerwehrleute den Lkw zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt bekommen. Dass aus der Übung plötzlich ein Ernstfall wird, hatten die Einsatzkräfte nicht erwartet. Die Verantwortlichen bei der Feuerwehr und auch er selbst seien davon ausgegangen, dass der Test genehmigt ist, sagte Uslars Bürgermeister Torsten Bauer (CDU) der Zeitung.

Bisher verwendete Sperren können Lkw nicht stoppen

Nach Angaben der Polizei besteht die patentierte Spezialsperre, die auf dem Feldweg getestet wurde, aus einem 980 Kilogramm schweren Metallblock. Wie Augenzeugen der HNA sagten, fuhr der Lkw mit ungefähr 50 Kilometern pro Stunde gegen den Block. Erst Mitte April hatten Tests der Dekra ergeben, dass mobile Anti-Terror-Sperren aus Beton Lastwagen nicht stoppen können. Sie wurden zuletzt häufig verwendet, um nach den Ereignissen von Nizza, Berlin und Stockholm Menschen auf öffentlichen Plätzen zu schützen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.05.2017 | 13:00 Uhr

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