Stand: 25.11.2019 14:14 Uhr

Ex-VW-Entwicklungschef scheitert mit Klage

Heinz-Jakob Neußer. © picture alliance Foto: Sven Simon
Der ehemalige VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer hatte Ende August 2018 seine Kündigung erhalten. (Archivfoto)

Volkswagen hat seinem ehemaligen Spitzen-Manager Heinz-Jakob Neußer im Zuge des Diesel-Abgasskandals zu Recht gekündigt. Das hat das Arbeitsgericht Braunschweig entschieden. Der ehemalige VW-Marken-Vorstand Neußer ist der ranghöchste Manager, dem VW bei der Diesel-Affäre gekündigt hat. Er war 2015 beurlaubt worden, Ende August 2018 wurde er fristlos gekündigt. Neußer hatte dagegen geklagt. Das Arbeitsgericht wies die Klage am Montag ab. Das Gericht gehe davon aus, dass sich die Kündigung auf einen dringenden Verdacht der Datenvernichtung stütze und damit gerechtfertigt werden könne, hieß es zur Begründung.

Zerrüttetes Vertrauensverhältnis durch zerstörte Festplatte

VW hatte gleich mehrere Gründe angeführt, warum man Neußer entlassen hatte. Das Gericht konzentrierte sich bei seinem Urteil aber auf einen zentralen Punkt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Im Spätsommer 2015, wenige Tage, bevor der Diesel-Skandal in den USA aufflog, ließ Neußer demnach aus seinem früheren Büro eine Festplatte holen, um sie zu vernichten. Angeblich habe die Festplatte gar keine Daten mehr enthalten, hatte Neußer bei der Verhandlung vor zwei Wochen erklärt. Das wollte Richter Ingo Hundt so nicht glauben. Es gebe den dringenden Verdacht, so der Richter, dass Neußer damals wichtige Daten vernichtet habe. Das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber sei dadurch zerrüttet - dieser habe daher kündigen dürfen.

Gegenklage von VW abgewiesen

In einem anderen Punkt konnte sich VW nicht durchsetzen: Der Konzern hatte von Neußer Schadensersatz für die immensen Kosten der Affäre gefordert, weil Neußer als Verantwortlicher für die Motorenproduktion von den Schummeleien habe wissen müssen. In dieser Frage wollte sich das Gericht aber nicht festlegen - die Gegenklage von VW wurde damit abgewiesen. Berufung ist für beide Seiten möglich. Ob eine oder beide Seiten Rechtsmittel einlegen, ist zunächst unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.11.2019 | 14:00 Uhr

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