Stand: 29.10.2019 18:43 Uhr

Ex-Rektor begleicht Spielschulden von Schulkonten

Ein Mann in grauem Pullover sieht sich eine Jacke aus (ehemaliger Schulleiter), daneben steht sein Anwalt Andreas Zott im Gericht Braunschweig. © dpa Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Der angeklagte ehemalige Schulleiter aus Salzgitter (li.) hat zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Braunschweig die Plünderung von Schulkonten eingeräumt.

Vor dem Landgericht Braunschweig müssen sich ein ehemaliger Schulleiter und seine Ehefrau verantworten. Ihnen werden Betrug und Untreue in mehr als 320 Fällen vorgeworfen. Insgesamt soll das Ehepaar zwischen 2013 und 2016 etwa 170.000 Euro von Schulkonten veruntreut haben.

Kleine Überweisungen und kein Vier-Augen-Prinzip

Zum Prozessauftakt am Dienstag legte der 53-Jährige, der bis 2017 Schulleiter an einer Hauptschule in Salzgitter war, ein umfassendes Geständnis ab. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Der Mann gab zu, über mehrere Jahre von Schulkonten Überweisungen auf die Konten seiner Ehefrau vorgenommen zu haben. Dies sei zum einen nicht aufgefallen, weil es sich um kleinere Beträge handelte. Zum anderen habe er ein eigentlich vorgeschriebenes Vier-Augen-Prinzip umgangen.

Spielschulden in Höhe von 300.000 Euro

Mit dem Geld finanzierte der Beamte, der von der Landesschulbehörde nach Aufkommen des Verdachts im Jahr 2016 suspendiert wurde, seine Spielsucht. Wenn seine Frau schlief, habe er teilweise die komplette Nacht hindurch gezockt - bis er wieder zur Schule musste. "An manchen Tagen habe ich bis zu 20.000 Euro verloren", sagte der Angeklagte. Am Ende habe er neun Kreditkarten gehabt und das eigene Wohnhaus mit 130.000 Euro belastet, so der 53-Jährige. Seine Spielschulden seien auf 300.000 Euro angewachsen. Wegen seiner Sucht habe er sich zwei Jahre in Therapie begeben.

Ehefrau: Wusste nichts von Überweisungen

Zu Hause war der Mann seinen Angaben zufolge nicht aufgeflogen, weil er komplett für das Geld zuständig war. Konten, Buchführung, Steuererklärung - alles habe in seiner Hand gelegen. Seine ebenfalls angeklagte Frau stützte diese Aussage. Sie sagte am Dienstag, sie habe von den Überweisungen nichts gewusst. Ihr Ehemann habe die volle Kontrolle über die Konten der Familie gehabt.

Disziplinarverfahren bei Landesschulbehörde

Der Prozess wird mit Zeugenbefragungen im November fortgesetzt. Nach Abschluss des Strafverfahrens muss sich der Mann bei der Landesschulbehörde in einem Disziplinarverfahren verantworten. "Welche Maßnahme in diesem konkreten Fall in Betracht kommt, wird Gegenstand des Verfahrens sein", sagte Behördensprecherin Bianca Schöneich.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 28.10.2019 | 17:00 Uhr

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