Stand: 08.04.2019 22:01 Uhr

Erbschleicher? 52-Jähriger gesteht

Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Erbschleicher vor dem Landgericht Braunschweig hat der Angeklagte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Wesentlichen eingeräumt. Das teilte eine Gerichtssprecherin nach dem Prozessauftakt am Montag mit. Der 52-Jährige muss sich wegen Untreue und Betrugs in 77 Fällen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, das Erbe einer Millionärin aus Bad Harzburg (Landkreis Goslar) ergaunert zu haben. Als die Frau im November 2017 in einer Klinik in Goslar im Sterben lag, soll er sie dazu gebracht haben, ihm eine Vollmacht für ihre Konten auszustellen und ihr Testament zu seinen Gunsten zu ändern.

Der Angeklagte im Gerichtssaal neben seinem Verteidiger.

Erbschleicher: Prozess gegen 52-Jährigen

Hallo Niedersachsen -

Vor dem Landgericht Braunschweig muss sich ein 52-Jähriger wegen Untreue und Betruges verantworten. Der Mann soll sich das Erbe einer Millionärin aus Bad Harzburg ergaunert haben.

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Im Privatjet nach London

Der Angeklagte soll mit der wohlhabenden Witwe viele Jahre gut befreundet gewesen sein und seit Sommer 2016 dauerhaft im Gästezimmer des luxuriösen Hauses der Frau in Bad Harzburg gewohnt haben. Nur einen Tag nach ihrem Tod begann er laut Anklage damit, das Geld der alten Dame für Luxusartikel auszugeben. Unter anderem reiste er laut Staatsanwaltschaft mit seiner Lebensgefährtin in einem Privatjet nach London, übernachtete in teuren Hotels und kaufte in Einkaufszentren groß ein. Innerhalb von acht Monaten verprasste er demnach mehr als 100.000 Euro.

120.000 Euro Darlehen sind verschwunden

Außerdem wird dem eigentlich mittellosen Mann vorgeworfen, sich ein Darlehen eines mit der Millionärin befreundeten Ehepaars in Höhe von 120.000 Euro erschlichen zu haben. Einer der Ehepartner sagte laut Gerichtssprecherin am Montag als Zeuge aus, demnach ist auch dieses Geld verschwunden. Außerdem wurden ein ermittelnder Polizist und der Nachlassverwalter der Frau vernommen. Ihm soll der Angeklagte später einen Teilbetrag in Höhe von 75.000 Euro überwiesen haben.

Urteil in der kommenden Woche

Der ganze Fall war im Herbst 2018 aufgeflogen: Einer Mitarbeiterin des Goslarer Amtsgerichts waren bei der Prüfung des Antrag des 52-Jährigen auf das Erbe der Frau Ungereimtheiten aufgefallen. Zudem hatte sich der Anwalt einer Verwandten der Millionärin wegen des Erbes gemeldet. Der Verdächtige war daraufhin festgenommen worden und sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft. Bereits am zweiten Verhandlungstag am 15. April werden die Plädoyers erwartet, im Anschluss fällt voraussichtlich auch das Urteil.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 08.04.2019 | 17:00 Uhr

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