Stand: 18.09.2020 13:48 Uhr

EU-Verbraucherschützer kritisieren VW-Taktik

Das VW Logo, zur Hälfte beschmutzt, davor ein Auspuff (Montage) © imago, fotolia Foto: Geisser, Mario Beauregard
Europäische Verbraucherschützer beschweren sich über die ausbleibende Entschädigung für VW-Kunden nach dem Dieselskandal. (Themenbild)

Auch fünf Jahre nach dem Auffliegen des VW-Dieselskandals haben nur wenige Verbraucher in Europa Schadenersatz erhalten. Europäische Verbraucherschützer werfen dem Wolfsburger Autobauer Hinhaltetaktik vor. Mit aller Macht weiche der Konzern Schadenersatzzahlungen aus. VW nutze Gesetzeslücken sowie den ungleichen Zugang europäischer Verbraucher zur Justiz aus, kritisierte der Europäische Verbraucherverband Beuc. "Nach einem Rechtsbruch in massivem Ausmaß hat VW die gerechtfertigten Klagen der Verbraucher ignoriert", sagte Beuc-Generaldirektorin Monique Goyens und drohte: "Das werden wir nicht dulden."

VIDEO: Fünf Jahre Dieselaffäre bei VW - ein Rückblick (3 Min)

VW verweigert weitere Verhandlungen

In Deutschland hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) für etwa 250.000 geschädigte VW-Kunden einen Vergleich mit VW ausgehandelt - woraufhin VW 750 Millionen Euro zahlte. Ähnliche Verhandlungen mit Verbraucherschutzorganisationen in anderen Ländern verweigere VW, sagte Beuc. Es sei beschämend, dass Volkswagen europäischen Verbrauchern den massiven Schaden, den der Dieselskandal verursacht hat, nicht ausgleichen wolle - während US-Verbraucher entschädigt worden seien, sagte Goyens.

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Besserer Messwert auf dem Prüfstand

Im September 2015 hatte VW auf Druck von US-Behörden eingeräumt, in bestimmten Dieselfahrzeugen eine sogenannte Abschalteinrichtung eingebaut zu haben. Diese bewirkte, dass der Stickoxid-Messwert auf dem Prüfstand unter dem geforderten Grenzwert blieb. Auf der Straße wurde der Grenzwert aber nicht mehr eingehalten. Es folgten etliche zivil- und strafrechtliche Verfahren. Bis heute hat der Konzern 32 Milliarden Euro für die Folgen des Betrugs ausgegeben, den größten Teil davon in den USA. Weitere fünf bis zehn Milliarden Euro könnten noch hinzukommen, denn immer noch sind nicht alle Gerichtsprozesse beendet.

Etliche Prozesse stehen noch aus

Andere Prozesse haben noch gar nicht begonnen. Dazu zählt auch das Verfahren gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn, der sich wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vor dem Landgericht Braunschweig verantworten muss. Sein Verfahren beginnt voraussichtlich im kommenden Jahr. Am 30. September startet in München der Prozess gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler. Ihm wird vorgeworfen, den Verkauf nicht gestoppt zu haben, nachdem er von dem Betrug erfahren hatte. Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig klagen außerdem noch VW-Aktionäre. Sie werfen dem Unternehmen vor, die Kapitalmärkte zu spät über den Dieselbetrug und die möglichen Folgen informiert zu haben. Dabei geht es um gut vier Milliarden Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.09.2020 | 12:00 Uhr

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