Stand: 19.12.2018 14:00 Uhr

Dürre: UNESCO-Welterbe soll Trinkwasser liefern

Die Talsperren im Harz trocknen immer weiter aus. Nach dem Hitze-Sommer hat auch der Herbst nicht für den dringend benötigten Niederschlag gesorgt. Die Folge ist: Das Trinkwasser wird knapp. Oder-, Oker- und Innerstetalsperre sind nur noch zu rund einem Viertel gefüllt. Auch Söse-, Ecker- und Granetalsperre haben deutlich weniger als 50 Prozent Wasserreserven. "Die Lage ist angespannt", sagte eine Sprecherin der Harzwasserwerke NDR.de. Deshalb greift das Unternehmen, das weite Teile Niedersachsens mit Trinkwasser beliefert, jetzt zu einer ungewöhnlichen Methode: Es bezieht erstmals das vorindustrielle Oberharzer Wasserregal in die Trinkwassergewinnung mit ein. Durch die Nutzung des UNESCO Weltkulturerbes können rund eine Million Kubikmeter Wasser in die Innerstetalsperre geleitet werden, teilten die Harzwasserwerke mit. Die Wasserqualität sei zuvor überprüft worden.

Ein Stausee

Wasserwerke zapfen Oberharzer Wasserregal an

Hallo Niedersachsen -

Wegen des Dürre-Sommers gibt es zu wenig Trinkwasser. Deshalb sehen sich die Harzwasserwerke gezwungen, auf die eiserne Reserve zurückzugreifen: das Oberharzer Wasserregal.

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Teiche wurden einst genau für diesen Fall konzipiert

17 der mehr als 60 Teiche des Oberharzer Wasserregals werden nach Angaben der Harzwasserwerke für die Trinkwassergewinnung vorbereitet. Dabei soll nur so viel Wasser entnommen werden, dass das Ökosystem der Teiche nicht beeinträchtigt wird, so der Geschäftsführer der Harzwasserwerke, Christoph Donner. Um Krebstiere und andere Wasserbewohner zu schützen, werde das Wasser sehr langsam abgelassen. Im Laufe von mehreren Wochen soll das Wasser dann in die Innerstetalsperre fließen. "Die Teiche sind genau für diesen Fall, das kontrollierte Ablassen, ursprünglich angelegt worden", sagte Donner. Das Oberharzer Wasserregal zeige gerade in der jetzigen Situation eindrucksvoll, "wie genial bereits früher Wasserwirtschaft betrieben wurde".

Harzwasserwerke bereiten sich auf Doppeltrockenjahr vor

Die Harzwasserwerke haben die Nutzung der Weltkulturerbestätte eigenen Angaben zufolge mit der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar abgestimmt. Bereits seit Monaten bereiten sich die Harzwasserwerke auf den ungewöhnlichen Fall eines sogenannten Doppeltrockenjahres vor, also auf zwei aufeinander folgende Wasserwirtschaftsjahre, in denen weniger als 80 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge fällt.

Auch im Dezember keine Entspannung in Sicht

Die Innerstetalsperre ist kurz vor Weihnachten nur noch zu rund 28 Prozent gefüllt. Stellenweise liegt sie schon ganz trocken.

Die derzeitige Lage beschreibt die Sprecherin mit einer Ampel, die im Moment auf gelb steht und entweder auf grün oder auf rot umspringen kann. In welche Richtung es gehe, hänge von der Regenmenge ab, die in den kommenden Monaten fällt. Traditionell seien die Monate von November bis Februar die niederschlagsreichsten im ganzen Jahr. Bisher sei aber keine Entspannung in Sicht, so die Sprecherin. Denn laut einer Vier-Wochen-Prognose des Deutschen Wetterdienstes soll der restliche Dezember trocken werden. Das sei dann erneut ein überdurchschnittlich trockener Monat.

Eigenen Angaben zufolge sind die Harzwasserwerke als Vorlieferant größter Wasserversorger Niedersachsens. Rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen und Bremen beziehen demnach das Wasser der Harzwasserwerke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.12.2018 | 14:00 Uhr

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