Stand: 17.02.2020 17:16 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Diesel-Musterklage: Was ist das VW-Angebot wert?

Bild vergrößern
Im Diesel-Skandal hat VW den möglichen Vergleich platzen lassen, will aber trotzdem Millionen an die Kunden auszahlen (Symbolfoto).

Nach dem Scheitern der Vergleichsgespräche zur Diesel-Musterklage fordern Verbraucherschützer VW auf, das Angebot des Konzerns auf alle Kunden auszuweiten. Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), sagte, dass so Millionen betrogener VW-Kunden in den Genuss von Entschädigungszahlungen kommen könnten - anstelle der etwa 400.000 VW-Kunden, die sich der Klage angeschlossen hatten.

vzbv-Chef: VW hat "ein zweites Mal betrogen"

Bei dem angekündigten Direktvergleich müsse sich der Konzern an den zuletzt erzielten Stand in den Verhandlungsgesprächen halten, forderte Müller. Demnach würde VW je nach Fahrzeugtyp und Halter zwischen 1.250 und 6.250 Euro Entschädigung zahlen. Der VW-Konzern äußerte sich bislang nicht zu der Forderung Müllers. Zuvor hatte der vzbv-Chef das VW-Angebot kritisiert. Im "Handelsblatt" warf Müller dem Autohersteller vor, nach den Dieselmanipulationen "ein zweites Mal betrogen" zu haben. Die Aufkündigung des Vergleichs habe der vzbv erst aus den Medien erfahren. Dieser Darstellung widerspreche man energisch, war am Montag aus Kreisen des Konzerns zu hören.

VW-Angebote sollen Ende März kommen

Am Freitag hatte VW bekanntgegeben, dass die Vergleichsverhandlungen mit dem vzbv geplatzt sind. Danach hatte der Konzern angekündigt, die vereinbarte Summe von 830 Millionen Euro außergerichtlich an Kunden zu verteilen. Vom Dieselskandal Betroffene, die sich zur Musterklage angemeldet haben, sollen ab Ende März "ein auf sie zugeschnittenes Angebot für eine Einmalzahlung" erhalten.

Videos
02:32
Hallo Niedersachsen

VW bietet Entschädigung im Diesel-Skandal an

14.02.2020 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Im Diesel-Skandal bei VW gibt es eine überraschende Wende: Der Konzern hatte den Vergleich mit den Verbraucherzentralen platzen lassen, will aber trotzdem Millionen an die Kunden auszahlen. Video (02:32 min)

ADAC lobt, DUH warnt

Der ADAC, der zusammen mit den Verbraucherverbänden die Klage gegen VW eingereicht hatte, begrüßte das Angebot. Dies sei im Sinne des Verbrauchers akzeptabel, sagte der Chefjurist des Automobilklubs, Markus Schäpe. Dagegen warnte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vor dem Abschluss individueller Vergleiche mit Volkswagen. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch verwies darauf, dass dadurch alle zukünftigen Ansprüche ausgeschlossen seien.

OLG: VW-Angebot ohne Folgen für Prozess

Die Verhandlung der Musterfeststellungsklage vor dem Braunschweiger Oberlandesgericht (OLG) hatte Ende September begonnen. Das Gericht schlug schnell Vergleichsverhandlungen vor. Nach deren Scheitern wird das OLG Braunschweig das Verfahren nun fortführen. Über einen neuen Termin werde demnächst entschieden, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen. Dass sich VW-Kunden eventuell vom Konzern auszahlen lassen, habe für den Prozess keine Bedeutung.

Weitere Informationen

Dieselbetrug: VW will Entschädigung ohne Vergleich

14.02.2020 13:00 Uhr

Der Vergleich ist geplatzt - Entschädigungen für VW-Dieselkunden, die sich der Musterfeststellungsklage angeschlossen haben, könnte es aber dennoch geben. Das teilte VW überraschend mit. mehr

VW-Abgas-Skandal: So läuft die Verbraucherklage

17.09.2019 17:00 Uhr

Am 30. September wird die Verbraucherklage gegen Volkswagen erstmals vor Gericht verhandelt. Was sind die Vor- und Nachteile? Fragen und Antworten zum Verfahren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 17.02.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

06:15
Hallo Niedersachsen
01:36
Hallo Niedersachsen
01:23
Hallo Niedersachsen