Ein Modell vom Experimentalfahrzeug Schlörwagen. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Das "Göttinger Ei" soll zurück auf die Straße

Stand: 07.03.2021 15:15 Uhr

Tüftler aus Hannover bauen das legendäre "Göttinger Ei" nach. Der ungewöhnliche Wagen aus den 1930er-Jahren setzt bis heute Maßstäbe in Sachen Aerodynamik.

Sein Ziel sei, dass das Auto in drei Jahren fahren kann, sagt Horst-Dieter Görg vom Verein Mobile Welten. Gemeinsam mit mehreren Mitstreitern arbeitet er auf dem Gelände des Hannoverschen Straßenbahn-Museums in Sehnde an dem Projekt. Gebaut wird laut Görg eine fahrbare, teilgeschnittene Version mit Acrylglassichtfenstern. "Das Auto muss fahren, und wenn wir da im Gartenstuhl drinsitzen."

Als Konkurrent für den VW Käfer ausgebootet

Entwickelt wurde das "Göttinger Ei" ursprünglich von Konstrukteur Karl Schlör (1910-1997). Es wurde zeitgleich mit dem VW Käfer 1939 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) gezeigt - durfte aber nicht in die Halle, weil das damalige Verkehrsministerium Konkurrenz für den Käfer fürchtete. Der Hintergrund: Das "Göttinger Ei" bot Platz für sieben Menschen, verbrauchte weniger und fuhr schneller als der Käfer.

DLR: "Sensationell niedriger Luftwiderstand"

Das Einzigartige an dem Fahrzeug ist die Aerodynamik. Der Leiter des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen, Andreas Dillmann, nannte den Wagen ein "fahrendes Flügelprofil". Ähnlich der Tragfläche eines Flugzeugs hat er einen extrem geringen Luftwiderstand. Die erreichten Werte seien vergleichbar mit denen des Ein-Liter-Autos von VW, so Dillmann. "Das ist sensationell niedrig."

Schicksals des Originals ist ungeklärt

Wegen der rundlichen Alu-Außenhaut saß der Fahrer im Schlör-Wagen in der Mitte, nicht wie üblich auf der linken Seite. Der Motor war hinten. Was nach dem Krieg mit dem echten "Göttinger Ei" geschah, sei nicht ganz klar, sagt die Leiterin des DLR-Zentralarchivs, Jessika Wichner. Laut Originalquellen habe Schlör den Wagen zurückhaben wollen. Die Briten, die ihn als Besatzungsmacht konfisziert hatten, hätten ihn aber nicht herausgerückt. Ohnehin sei die Windkanal-Flunder schwer verbeult und Motor sowie Sitze entfernt gewesen, so Wichner. Sie vermute, dass der Wagen irgendwann verschrottet worden sei.

Weitere Informationen
Ein Mann mit Bart und Schweißermaske mit aufgemalten Flammen auf dem Kopf
3 Min

Mein Lieblingsplatz: Eine Oldtimer-Werkstatt in Peine

Andreas Faulhaber besitzt fünf Oldtimer. Früher oder später müssen sie alle mal auf die Hebebühne seiner Hobby-Werkstatt. (27.02.2021) 3 Min

Mehrere Oldtimer stehen im PS.Depot in Einbeck. © NDR Foto: Ute Andres

Einbeck: Oldtimer-Museum PS.Speicher wächst

Das Oldtimer-Museum PS.Speicher in Einbeck vergrößert seine Ausstellungsfläche. Es sollen noch mehr alte Fahrzeuge gezeigt werden. Bisher hat das Museum mehr als 2.500 Exponate. (19.07.2020) mehr

Ralf und Traude sitzen mit gefüllten Sektgläsern auf dem Gelände eines Autokinos in Hude (Landkreis Oldenburg) in einem roten Oldtimer. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Historische Wagen rollen ins Autokino in Hude

Nicht nur erlebt das Autokino durch Corona eine Renaissance, es gibt sogar Autokino-Events für spezielle Fahrzeuge. In Hude haben sich Oldtimer-Fans mit ihren Wagen getroffen. (01.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 08.03.2021 | 06:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Annalena Baerbock hält am tag ihrer Nominierung fürs Kanzleramt eine Rede. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS Foto: ANNEGRET HILSE

"Politik des Aufbruchs": Grüne unterstützen Baerbock

Grüne in Niedersachsen begrüßen, dass Annalena Baerbock ins Rennen um das Kanzlerinnenamt geht. Sie stehe für Veränderung. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen