Viola Priesemann sitzt auf der Studiobühne der Sendung "Anne Will". © picture alliance Foto: picture alliance/Eventpress/Eventpress Stauffenberg

Corona-Expertin: "Nur ein harter 3-Wochen-Lockdown hilft"

Stand: 02.12.2020 16:41 Uhr

Die Göttinger Forscherin Viola Priesemann plädiert für weitere Beschränkungen. Berechnungen zufolge helfe nur ein harter "Lockdown", um den Inzidenzwert bis Weihnachten auf weniger als 50 zu senken.

Das hieße: noch mehr Einschränkungen für bis zu drei Wochen. "Wir müssen an allen Schrauben ein Stück weiterdrehen", sagte Priesemann im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Die bisherigen Maßnahmen, die Niedersachsen und die übrigen Bundesländer seit Anfang November ergriffen haben, seien keine erfolgversprechende Lösung. Die Neuinfektionen hätten sich lediglich auf hohem Niveau stabilisiert. "Der sogenannte Lockdown Light war einen Versuch wert, aber das hat nicht gereicht", sagte die Physikerin, die als Forschungsgruppenleiterin für Dynamik und Selbstorganisation am Max-Planck-Institut in Göttingen arbeitet und Modellrechnungen für Verläufe der Corona-Pandemie erstellt.

Mehr Homeoffice, mehr Homeschooling

Viola Priesemann sitzt auf der Studiobühne der Sendung "Anne Will". © picture alliance Foto: picture alliance/Eventpress/Eventpress Stauffenberg
Die Forscherin Viola Priesemann aus Göttingen plädiert für härtere Maßnahmen. (Themenbild)

Mit diesem Standpunkt greift Priesemann die neue Corona-Verordnung an, die seit Dienstag in Niedersachsen gilt und die Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Montag so vehement vor dem Landtag verteidigt hat. Möglichkeiten, die Schrauben weiter zu drehen, gebe es bei privaten Kontakten, im Einzelhandel, beim Homeoffice und in Schulen. Zumindest ältere Schülerinnen und Schüler könnten ins Homeschooling wechseln. Bleibe die Politik bei ihrer Linie, sei es den Berechnungen ihres Teams nach nicht sinnvoll, die Schließung von Kultureinrichtungen, Hotels und Gastronomiebetrieben aufrecht zu erhalten. "Diese Maßnahmen verpuffen. Das ist jetzt eine Frage von ganz oder gar nicht", sagte Priesemann.

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Ziele klar kommunizieren

In Australien, Irland, Israel und einigen asiatischen Ländern hätten harte Regeln geholfen. Wenn die Fallzahlen gesenkt werden sollen, müsse das Ziel klar definiert sein - und zwar öffentlich. Nur so fänden die Maßnahmen Akzeptanz in der Bevölkerung. Dieses Ziel sei ein Inzidenzwert von weniger als 50 und ein Reproduktionswert von 0,7. Das bedeute, dass rechnerisch zehn mit Covid-19 infizierte Menschen nur sieben Menschen ansteckten. Das führe dazu, dass ein Großteil der niedersächsischen Gesundheitsämter das Infektionsgeschehen unter Kontrolle bekäme und das Land über Lockerungen nachdenken könne.

Mit angepasster Strategie Labore entlasten

Zudem sprach sich die Forscherin dafür aus, die Teststrategie anzupassen, um Labore zu entlasten. Das könnte erreicht werden, wenn beispielsweise Schulklassen als Gruppen getestet würden. "Einfach alle Tests in ein Röhrchen und im Labor untersuchen lassen", sagte Priesemann. Wenn ein Test positiv ausfalle, könne nachuntersucht werden. "Die Quarantäne würde ohnehin für die gesamte Gruppe gelten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.12.2020 | 14:00 Uhr

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