Stand: 02.03.2020 11:57 Uhr

Baum im Niemandsland: Wer legt die Axt an?

Neben einem Haus ist ein sehr schiefer Baum zu sehen, der in ein Grundstück hineinragt. © NDR Foto: Jürgen Müller
Jürgen Müller fürchtet, dass die Weide beim nächsten Sturm auf sein Haus kippen könnte.

Jürgen Müller ist besorgt. Unmittelbar an der Grenze zu seinem Grundstück im Braunschweiger Stadtteil Veltenhof steht eine schiefe Weide. Ihr Stamm hat sich mittlerweile so weit geneigt, dass er beim nächsten Sturm auf Müllers Haus zu kippen droht. Das Problem: Die Weide steht auf einem schmalen Landstrich am Ufer der Oker, der niemandem gehört. Es ist Niemandsland, herrenloses Land. Doch weil der Baum schließlich mitten im Braunschweiger Stadtgebiet steht, hat Müller die Stadt aufgefordert, die Weide zu fällen. Die Stadtverwaltung winkt jedoch ab und verweist auf geltendes Recht.

Was ist Niemandsland?

Der Begriff Niemandsland (lateinisch terra nullius) bezeichnet ein Gebiet, das niemandem gehört, also
- staatsrechtlich herrenlos ist, oder
- von niemandem besiedelt und gepflegt oder bewirtschaftet wird, oder
- zwischen den Frontlinien eines Krieges liegt.
(Quelle: www.voelkerrecht.eu)

Herrenloses Stück Land, herrenloser Baum

Der Bereich der Uferböschung, auf der der betreffende Baum steht, sei "herrenlos", schildert ein Sprecher der Stadt den Fall gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Dass ein Grundstück an einem Gewässer keinen Eigentümer haben kann, sei ausdrücklich im Niedersächsischen Wassergesetz geregelt. Deshalb sei auch niemand für den Baumbestand auf einem solchen herrenlosen Gewässergrundstück "verkehrssicherungspflichtig", so die Stadt. Für den Fall von Jürgen Müller bedeutet das, dass niemand verpflichtet ist, einen drohenden Schaden abzuwenden, der von dem Baum ausgeht. Die Stadt müsse aufgrund der "Gewässerunterhaltungspflicht" nur dann einschreiten, wenn vom Fluss selbst eine Gefahr ausginge.

Müller könnte selbst zur Axt greifen

Tatenlos zusehen wie der Baum auf sein Haus fällt, müsste Müller aber nicht. Als Eigentümer des Nachbargrundstücks dürfte er nach Angaben der Stadt selbst zu Axt und Säge greifen - allerdings auf eigene Kosten. Das wiederum sieht Müller nicht ein. Er hofft darauf, dass die Stadt doch noch einlenkt. Und bis dahin betet er eigenen Angaben zufolge jeden Tag dafür, dass die Weide stehen bleibt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.03.2020 | 12:00 Uhr

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