Aufforstung nötig: Klimawandel zerstört 25.000 Hektar Wald

Stand: 08.07.2021 20:42 Uhr

In Südniedersachsen sind in den vergangenen drei Jahren große Waldflächen durch Klimaextreme vernichtet worden. Die Niedersächsischen Landesforsten summieren die Fläche auf insgesamt 25.000 Hektar.

Zwischen 2018 und 2020 wüteten Stürme und warfen zahlreiche Bäume um. In der Dürre der vergangenen Sommer vermehrten sich den Landesforsten zufolge die Borkenkäfer massenhaft und befielen zahllose Fichten. Die Landesforsten haben nach eigenen Angaben für diesen Zeitraum Satellitenbilder ausgewertet, die das Ausmaß der Schäden verdeutlichen: Auf mehr als 14.500 Hektar mussten Bäume in Folge von Dürre, Sturm oder Borkenkäferbefall entnommen werden, auf weiteren 8.500 Hektar kam jede Hilfe für vom Borkenkäfer befallene Fichten zu spät - sie stünden trocken und ohne Nadeln auf großen Flächen.

Im Harz muss mehr aufgeforstet werden als in der Nachkriegszeit

Die Wiederaufforstung dieser und anderer Flächen in ganz Niedersachsen stelle die Försterinnen und Förster der Landesforsten vor große Herausforderungen. "Das vor uns liegende Programm zur Wiederaufforstung ist von historischem Ausmaß. Es übersteigt im Harz sogar die Aufforstungen der Nachkriegszeit", sagte Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten. Dabei wollen die Landesforsten seinen Angaben nach den in den 80er-Jahren begonnenen Waldumbau fortsetzen - "und auf den entstandenen Freiflächen und im Schutz der auf der Fläche belassenen abgestorbenen Fichten noch einmal forcieren". Ziel sei es, klimaangepasste Mischwälder zu entwickeln.

Landesforsten schreiben rote Zahlen

Das Geschäftsjahr 2020 schlossen die Landesforsten nach eigenen Angaben mit einem Defizit von 18 Millionen Euro ab. Selbst mit steigenden Holzpreisen seien die Aufgaben der Landesforsten nicht allein durch den Holzverkauf zu finanzieren, hieß es. Das Land sehe das große Schadensausmaß und die Notwendigkeit, den Landesforsten bei dieser Herausforderung zu helfen. Es unterstütze die Landesforsten bei der Umsetzung des Regierungsprogramms LÖWE, sagte Ludwig Theuvsen, Staatssekretär im niedersächsischen Forstministerium und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Landesforsten. Dessen Ziel sei es, im Rahmen von ökologischer Bewirtschaftung klimastabile Landeswälder schnellstmöglich wieder aufzuforsten oder umzubauen.

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Rund 15 Millionen Bäume neu gepflanzt

"Mit etwa 15 Millionen kleinen Bäumen, die wir in den vergangenen drei Dürrejahren gepflanzt haben, haben wir die Herausforderung bereits angenommen", so Merker. Allein im vergangenen Jahr seien knapp 16 Millionen Euro für den Waldumbau aufgewendet worden - "und wir werden unsere Bemühungen weiter intensivieren". Die Absicht des Bundes, künftig allen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern eine Vergütung für den Erhalt der Klimaschutzleistungen der Wälder zu zahlen, begrüßte der Landesforsten-Chef.

Borkenkäfer schlägt wieder zu

"Das Frühjahr hätten wir uns für die Millionen kleinen Bäume, die wir gepflanzt und gesät haben, oder die die Natur für uns gesät hat, kaum besser wünschen können", sagte Merker. Nach dem Ende der kühl-feuchten Frühjahrswitterung sei es dann aber zu einem umso stärkeren Befall an Fichten gekommen. "Dass das Holz, das wir jetzt in Folge des diesjährigen Borkenkäferbefalls ernten müssen, auf einen aufnahmefähigen Markt trifft, ist zugegeben ein nur schwacher Trost für das, was im Wald passiert", bedauerte Merker.

Stiftung will stärker auf Wälder blicken

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hatte bereits am Mittwoch angekündigt, dass sie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald stärker in den Blick nehmen will. "Der Wald könnte zum ersten Opfer der Klimakrise werden", sagte der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde, in Osnabrück. Trotz eines regenreichen Frühjahrs drohe erneut ein Trockenjahr. Vor allem in Ostdeutschland herrsche wegen extremer Dürre Alarmstufe Rot. Das Absterben der Wälder wiege umso schwerer, weil der Wald als Klimahelfer gebraucht werde, so Bonde. Er machte sich für mehr wilde Wälder, aber auch für eine nachhaltigere Holznutzung in langlebigen Produkten stark. Die Stiftung fördere daher Projekte zur regionalen und nachhaltigen Holzproduktion, zur Wiedervernässung von Waldmooren und zum Erhalt der Biodiversität auf vom Sturm zerstörten Waldflächen, so Bonde

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.07.2021 | 11:00 Uhr

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