Auf eigene Faust: Familie aus Wolfenbüttel verlässt Kabul

Stand: 10.09.2021 13:22 Uhr

Die afghanischen Schüler der Henriette-Breymann-Gesamtschule in Wolfenbüttel konnten Kabul verlassen und sind nun in Pakistan. Nun wollen sie sich zur Deutschen Botschaft durchschlagen.

Die Familie aus Wolfenbüttel, die zu Besuch in Afghanistan war und dort festsaß, ist nach Informationen des NDR Niedersachsen aus eigener Kraft nach Pakistan ausgereist. Nun will sie versuchen, zur Deutschen Botschaft zu gelangen und einen Flug zurück nach Deutschland zu bekommen. "Es war sehr schwierig nach Pakistan zu gelangen", fasst der Vater in einer knappen Sprachnachricht die beschwerliche Reise zusammen. Zuvor hatte die Familie vergeblich versucht, zum Flughafen in Kabul zu gelangen. Dafür fehlte aber die behördliche Erlaubnis.

Hoffnung auf Rückkehr

Zur Familie gehören die 14-jährigen Zwillinge Abida und Farhadullah und der jüngere Bruder Junah. Die drei gehen auf die Wolfenbütteler Henriette-Breymann-Gesamtschule. Schulleiterin Katrin Unger, Lehrende und Mitschüler sind erleichtert - die Hoffnung wächst, dass Abida und Farhadullah bald wieder mit ihren Klassenkameraden und Freunden vereint sind.

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Angst vor den Taliban

Unger hatte nach den Ferien eine Mail eines älteren Bruders vorliegen. Darin schrieb er, dass die Kinder nicht zum Schulstart da sein können. Von der Klassenlehrerin erfuhr sie dann, dass die beiden Achtklässler mit ihrer Familie zu Beginn der Sommerferien in die afghanische Hauptstadt gereist waren, um dort an einer Familienfeier teilzunehmen. Weil es zum Ende der Sommerferien keine Evakuierungsflüge mehr gab, konnten Kinder und Eltern nicht ausreisen. Die Schulleiterin hatte sich nach eigenen Angaben an das Auswärtige Amt gewandt. Dort hatte sie jedoch niemanden erreicht, auf ihre E-Mails habe sie nur eine automatisierte Antwort erhalten. Die Familie habe am Stadtrand von Kabul bei Verwandten gewohnt, wo es ihnen einigermaßen gut gegangen sei, so die Schulleiterin. Das Mädchen habe das Haus aus Angst vor den Taliban allerdings nicht verlassen.

Kontakt nach Kabul wird schwieriger

Anfangs hätten die Geschwister mit ihren Mitschülern in Deutschland noch regelmäßig WhatsApp-Nachrichten ausgetauscht. Das sei aber wegen der schlechten Funkverbindungen in Kabul weniger geworden. Die Mitschüler waren entsprechend in Sorge um ihre afghanischen Klassenkameraden, berichtete Unger.

Zuerst hatte der Radiosender Antenne Niedersachsen über den Fall berichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 10.09.2021 | 15:00 Uhr

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