Stand: 07.07.2017 11:09 Uhr

Magnet-Angeln: "Suchen Sie sich ein anderes Hobby!"

von Tino Nowitzki

Angeln gilt ja gemeinhin als entspanntes Hobby. Es kann aber auch ganz schön aufregend werden. Vor allem dann, wenn man statt eines Fisch-Hakens einen starken Magneten benutzt. Wie etwa Melvin Leiß aus Braunschweig. Seit Tagen fischt er allerlei Verdächtiges aus der Oker: Pistolen, Schlagstöcke und sogar einen Mini-Tresor. Erst am Donnerstag musste wegen ihm sogar der Kampfmittelbeseitigungsdienst anrücken: Der Hobby-Magnet-Angler hatte eine vermeintliche Handgranate aus dem Fluss gezogen.

Polizei sperrt Brücke

Damit hatte Melvin Leiß dann doch nicht gerechnet. Wie jeden Tag wollte er ein bisschen mit seinem extrem starken sogenannten Neodym-Magneten in der Oker fischen. Doch was er dann aus dem Wasser holte, verschlug sogar ihm die Sprache: ein verschlammtes Irgendetwas, dass wie eine Handgranate aussah. Seine Reaktion? "Panik", sagt der 18-Jährige. Schließlich wisse man bei einer alten Granate nie, wann sie hoch geht. Leiß: "Ich habe sie deswegen sofort wieder ins Wasser gelassen, damit sie nur den Fischen zu nahe kommt, falls sie hochgeht." Er besann sich dann schnell und informierte die Polizei. Die sperrte die Brücke ab und rief den den Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Munster herbei. Ein paar prüfende Blicke später gaben die Experten aber Entwarnung: Die vermeintliche Handgranate entpuppte sich als ziemlich verschlammtes Maschinen-Bauteil, wahrscheinlich von einem Fahrzeug.

Innerhalb weniger Tage hingen Pistole und Tresor am Magneten

Normalerweise zieht Melvin Leiß auch weit banalere Dinge aus dem Wasser: "Meistens sind es rostige Nägel, alte Fahrräder oder auch mal ein Verkehrsschild", sagt der Schüler. Trotzdem war der "Handgranaten-Zwischenfall" nicht sein erster Schreckens-Moment. Vor ein paar Tagen fischte Leiß einen stark verrosteten Revolver aus der Oker. Er rief sofort die Polizei. Die holte die Waffe zwar schnell ab, hätten aber ruhig bleiben können: Melvin Leiß hatte nur Stunden später einen kleinen Tresor am Magneten. Die Beamten reagierten zunächst amüsiert - nichtsahnend, dass der Hobby-Angler ein paar Tage später noch einen Pistolen-Schlitten, einen Teleskop-Schlagstock und eine Tresor-Rückwand im Fluss finden würde, die zu dem Mini-Safe passt. Leiß: "Mir war es etwas unangenehm, schon wieder die Polizei zu rufen. Also brachte ich die Sachen gleich selbst auf das Revier." Hatten die Beamten einen Kriminalfall übersehen?

Beamten ermitteln wegen Kriminalfalls

Zumindest im Fall des Tresors geht man bei der Polizei Braunschweig von einem Einbruch-Diebstahl aus. Laut Polizei-Sprecher Stefan Weinmeister hat der Dieb den Tresor sehr wahrscheinlich aufgeflext und den Inhalt entnommen. "Danach ist das Stück natürlich wertlos und wir gehen davon aus, dass er den Tresor dann in die Oker geschmissen hat." Nun vergleichen die Beamten den Fund mit gemeldeten Einbruch-Diebstählen in der näheren Umgebung. Hobby-Angler Leiß, der selbst in der Nähe der Oker-Brücke wohnt, ist sich sicher, dass sie fündig werden: "Ich habe hier schon von Leuten gehört, denen ein Tresor gestohlen wurde." Beim Revolver, dem Pistolen-Teil und dem Schlagstock gehen die Beamten nicht zwangsläufig von einem Verbrechen aus. "Viel wahrscheinlicher ist, dass deren Besitzer nicht damit erwischt werden wollten und sich der Sachen einfach im Wasser entledigten", so Weinmeister. Trotzdem werde in jede Richtung ermittelt.

"Magnet fishing" ein weltweites Phänomen

Melvin Leiß hat nach dem ganzen Schreck nicht etwa genug von seinem Hobby. Ganz im Gegenteil: Insgeheim hatte er sich ein paar interessante Funde erhofft, als er vor drei Wochen mit dem Magnet-Angeln anfing. Er hatte ein Youtube-Video von einem Hamburger Magnet-Angler gesehen. Auch der hatte alte Waffen in der Elbe gefunden. Melvin Leiß war angefixt und kaufte sich einen Neodym-Magneten mit einer Zugkraft von bis zu 200 Kilogramm. Der ist in der Szene beliebt. Denn tatsächlich ist Magnet-Angeln oder "magnet fishing" ein weltweites Phänomen samt Internet-Foren und Facebook-Gruppen. Auch Melvin Leiß hat seine Funde längst dort gepostet und einiges an Anerkennung bekommen. Beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen sieht man das Magnet-Angeln dagegen problematisch: "Es ist extrem gefährlich, verrostete Waffen aus Flüssen zu ziehen", sagt Kampfmittelbeseitiger Marcus Gesk. Wäre die Splitter-Handgranate vom Donnerstag beispielsweise echt gewesen, hätten sich nicht nur der Magnet-Angler, sondern auch alle Menschen im Umkreis von 300 Metern in höchster Gefahr befunden. Was Experte Gesk den Magnet-Anglern rät? "Ein anderes Hobby suchen!" Melvin Leiß will allerdings noch nicht aufhören und weiter in der Oker fischen. Auf was er am meisten hofft? "Eigentlich nichts Besonderes", sagt er, "vielleicht ist aber ja doch irgendwann mal eine Schatulle mit Geld dabei."

Dieses Thema im Programm:

Regional Braunschweig | 07.07.2017 | 17:00 Uhr

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