Stand: 12.12.2019 09:30 Uhr

Ärger um Hakenkreuze in Wolfenbütteler Schloss

Eine Zierschnitzerei am Einbecker Marktplatz zeigt ein Swastika-Symbol. © Wikimedia Commons/Pepito Tey Foto: Pepito Tey
Eine Swastika der Familie Raven von der Fassade eines Hauses am Einbecker Marktplatz. (Archiv)

Ein Rechtsanwalt aus Hannover ist zu Besuch im Wolfenbütteler Schloss. In einem Zimmer, dass nicht zum Museum gehört, macht er an einem Kaminsims eine Entdeckung: Hakenkreuze. Dietrich Wollschlaeger, so heißt der Jurist, ist entsetzt und droht mit der Staatsanwaltschaft. "Die Stadt scheint blind zu sein gegenüber ihrer historischen Verantwortung mit diesem Symbol der Nazi-Herrschaft, unter der Millionen Menschen zu Tode gekommen sind", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Stadt Wolfenbüttel verweist auf die Historie der Symbole - kündigte jetzt aber an, künftig eine Infotafel neben dem Kamin aufstellen zu wollen.

Keine braunen Altlasten

Bei den Symbolen handelt es sich nämlich keineswegs um Altlasten der Nationalsozialisten, sondern um sogenannte Swastikas, uralte Sonnensymbole und Glücksbringer. Sie stammen aus dem Wappen der Patrizierfamilie Raven aus Einbeck. Eine Raven-Tochter heiratete in eine Braunschweiger Familie ein und aus deren Besitz stammt der Sims. Die Ravens ließen auch in ihrer Heimatstadt einige Fassaden mit dem Zeichen versehen. Die Verzierungen stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Die Nationalsozialisten übernahmen das dann als "Hakenkreuz" bekannte Symbol erst im August 1920 - und drehten es dazu aus seiner ursprünglichen Form um 45 Grad.

Info-Tafel im kommenden Jahr

Trotzdem will die Verwaltung nun aktiv werden. Im kommenden Jahr sollen die Swastikas im Wolfenbütteler Schloss durch eine Info-Tafel erläutert werden. Das stößt auf Zustimmung beim Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner. Auch er forderte eine bessere Einordnung der Swastikas - die Symbole sollten jedoch erhalten bleiben. "Wer bewusst mit Geschichte umgeht, tilgt diese Dokumente nicht, sondern erläutert sie und stellt sie in einen historischen Kontext", sagte Wagner dem epd.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 12.12.2019 | 08:00 Uhr

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