Stand: 03.10.2016 12:05 Uhr

8.000 Aufstiege: "Brocken Benno" auf dem Gipfel

Die Bedingungen für eine Wanderung zum Brocken sind am Tag der Deutschen Einheit alles andere als freundlich: Regen, Wind und Kälte peitschen "Brocken Benno" ins Gesicht. Trotzdem verschwendet der 84-Jährige keinen Gedanken daran, seinen Aufstieg zum Brocken zu verschieben. "Ich habe schon schlimmeres Wetter erlebt", sagt Benno Schmidt. Schließlich ist dieser Aufstieg sein 8.000. Fast jeden Tag hat er seit seinem Vorruhestand 1992 den 1.141 Meter hohen Berg erklommen. Für Schmidt ist es wie eine Sucht. "Der Brocken ist wie ein Magnet, er zieht mich hier hoch, ob ich will oder nicht", sagt er NDR.de. "Ich könnte auch bei mir in Wernigerode auf den Schlossberg gehen, aber das ist eben nicht der Brocken." An diesem Tag begleiten Schmidt rund 40 Freunde, Fans und Brockenbegeisterte, die er über seine Internetseite zu diesem, für ihn besonderen, Aufstieg eingeladen hat.

Vier Millionen Höhenmeter in den Beinen

Bevor es in Schierke (Sachsen-Anhalt) losgeht, bekommt Schmidt Geschenke. Darunter sind Schilder mit Glückwünschen und der Zahl 8.000. Auch eine fast lebensgroße, selbst geschnitzte Holzfigur, eine Comicversion von "Brocken Benno", ist dabei. Um kurz nach 8.30 Uhr brechen die Wanderer auf. Rund 500 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Der Eckerlochstieg, auch Teufelsstieg genannt, sei der kürzeste, steilste und holprigste Weg zum Brocken, erklärt Schmidt. Es ist der Weg, den Mephisto und Faust in Johann Wolfgang von Goethes Tragödie gehen und der, den Schmidt am häufigsten wählt. Insgesamt 106.400 Kilometer und 4 Millionen Höhenmeter habe er bereits in den Beinen. Jeder seiner Aufstiege sei mit Stempel und Datum in seinen mittlerweile 226 Brocken-Pässen dokumentiert.

"Das hätte ich beim ersten Mal nie zu träumen gewagt"

Nach rund zwei Stunden erreicht die Gruppe rund um Schmidt den Gipfel. "Man freut sich, dass man 8.000 Aufstiege geschafft hat", sagt Schmidt am Ziel. "Das hätte ich mir nie zu träumen gewagt, als ich das erste Mal hier oben war." Auf die Frage, ob er jetzt 10.000 Aufstiege im Visier hat, sagt Schmidt: "Ich will mich da nicht festlegen." Zwar bleibe der Brocken seine Leidenschaft, aber er wolle nicht mehr jeden Tag und nicht bei jedem Wetter den Gipfel erklimmen. Bei Schnee und Glätte sei der Aufstieg gefährlich und er wolle sich schließlich nichts brechen.

28 Jahre lang war der Brocken unerreichbar

Warum es gerade der Brocken ist, der Schmidt so magisch anzieht, hat viele Gründe. Zum einen war der Gipfel 28 Jahre lang für ihn ein Sehnsuchtsort. Er hatte ihn von seinem Wohnort Wernigerode zwar stets sehen können - doch er blieb unerreichbar. Schließlich lag er im Sperrgebiet, an der deutsch-deutschen Grenze. So erinnert er sich noch genau, als am 3. Dezember 1989 Hunderte Wanderer forderten, die Grenze zum höchsten Berg Norddeutschlands zu öffnen. Schmidt war damals einer von ihnen.

"Andere gehen zur Arbeit, ich muss zum Brocken"

Der Hauptgrund für seine Wanderungen aber sei der Mythos, der sich um den Brocken rankt, sagt Schmidt. Außerdem erfreue er sich an der Natur im Nationalpark und an den Begegnungen mit freundlichen Menschen aus ganz Deutschland. Darüber hinaus halte er sich mit den Wanderungen fit. Und ganz nebenbei stellt der 84-Jährige auch Rekorde auf. "Man hat eine Vorbildfunktion, da kann man morgens nicht sagen, man hat keine Lust", so Schmidt. "Andere müssen jeden Tag zur Arbeit, Kinder gehen zur Schule und ich muss eben zum Brocken."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 29.09.2016 | 08:30 Uhr

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