Ein Schild weist das Gericht in Göttingen aus. © NDR

70.000 Euro unterschlagen: Ex-Rathausmitarbeiter verurteilt

Stand: 23.08.2021 17:11 Uhr

70.000 Euro hat ein Mitarbeiter der Göttinger Sozialbehörde unterschlagen. Deshalb verurteilte ihn das Amtsgericht nun zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Der 45-Jährige war dafür zuständig, dass Asylbewerber ihr Geld bekommen. Weil nicht alle ein Konto haben, können sie über ein Chip-System Bargeld an einem Automaten im Neuen Rathaus abheben. Der Mitarbeiter der Sozialbehörde hat einfach eine Chipkarte aufgeladen und freischalten lassen. Die Kollegen haben das offenbar nicht genau geprüft, "sie haben mir vertraut", sagte der Angeklagte.

Verurteilter muss 70.000 Euro zurückzahlen

Im Juli 2018 ging er das erste Mal frühmorgens, als noch kein Betrieb herrschte, zum Geldautomaten und hob mit der tags zuvor aufgeladenen Chipkarte knapp 2.000 Euro ab. In der Folgezeit verschaffte er sich auf diese Weise ein- bis zweimal im Monat Geldbeträge von jeweils bis zu 4.000 Euro. Bei einer Kontrolle der Zahlungsjournale fiel die ungewöhnliche Uhrzeit und damit auch der Betrug auf. Daraufhin wurden die Aufnahmen der Überwachungskamera im Foyer ausgewertet. Kurz darauf wurde der Rathausmitarbeiter zum Gespräch geladen. "Ich habe sofort alles gestanden und eingeräumt", sagte der Angeklagte. Er habe private Schulden und Existenzängste gehabt, sagte der 45-jährige zur Begründung für seine Taten. Nun ist er seinen Job los und muss die 70.000 Euro zurückzahlen.

Nicht der erste Fall von Untreue

Es ist ein weiterer Untreuefall im Fachbereich Soziales in Göttingen innerhalb der vergangenen zehn Jahre. 2015 verurteilte das Amtsgericht Göttingen eine Ex-Behördenmitarbeiterin wegen gewerbsmäßiger Untreue. Drei Jahre zuvor stand ein Sachbearbeiter vor Gericht, weil er über vier Jahre hinweg knapp 54.000 Euro auf private Konten umgeleitet hatte.

Weitere Informationen
Blick auf den Eingang zum Neuen Rathaus in Göttingen. © NDR Foto: Julius Matuschik

Gewerbsmäßige Untreue: Ex-Rathaus-Mitarbeiter angeklagt

Der frühere Mitarbeiter soll mehr als 70.000 Euro abgezweigt haben. Der 45-Jährige hat den Vorwurf bereits gestanden. (14.06.2021) mehr

Blick auf das Göttinger Rathaus und die Türme der Johanniskirche © imago / Otto Werner

Erneuter Untreuefall im Göttinger Rathaus?

Eine städtische Mitarbeiterin soll Sozialleistungen umgeleitet haben. Bewahrheitet sich der Vorwurf, ist es bereits der vierte Fall von Untreue im Göttinger Rathaus. (22.7.2014) mehr

Archiv
Der Braunschweiger Dom von oben. © NDR Foto: Julius Matuschik
8 Min

Nachrichten aus dem Studio Braunschweig

Was in Ihrer Region wichtig ist, hören Sie in dem Mitschnitt der 15:00 Uhr Regional-Nachrichten auf NDR 1 Niedersachsen. 8 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 24.08.2021 | 06:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Der Angeklagte Karlheinz Blessing (l), ehemaliger VW-Konzernpersonalvorstand, sitzt bei Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Hanns Feigen (2.v.l.) in der Stadthalle Braunschweig. © picture alliance Foto: Moritz Frankenberg

VW-Untreue-Prozess: Freispruch für alle vier Angeklagten

Ex-Personalchef Neumann und auch das Landgericht forderten nach dem Verfahren klarere Regeln durch den Gesetzgeber. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen