Stand: 19.05.2020 16:16 Uhr

300.000 Jahre alt: Elefanten-Skelett fast komplett

Einen neuen Sensationsfund haben Archäologen am Dienstag in Schöningen vorgestellt: Dabei handelt es sich um das nahezu vollständiges Skelett eines eurasischen Waldelefanten, der vor rund 300.000 Jahren im Landkreis Helmstedt lebte. So wie die meisten Funde aus der altsteinzeitlichen Grabungsstelle seien auch diese außerordentlich gut erhalten, sagte der Grabungsleiter Jordi Serangeli. "Wir haben die 2,3 Meter langen Stoßzähne, den Unterkiefer, zahlreiche Wirbel und Rippen sowie Knochen von drei Beinen und sogar alle fünf Zungenbeine." Er zeigte sich optimistisch, dass die Archäologen auch die übrigen Knochen des Tieres noch finden.

Größer als afrikanische Elefantenkühe

Nach ersten Analysen handelt es sich um ein wahrscheinlich weibliches Tier mit stark abgenutzten Zähnen, sagte der Archäozoologe Ivo Verheijen. Es habe eine Schulterhöhe von 3,2 Metern und ein Gewicht von ca. 6,8 Tonnen gehabt. Damit war es größer als heutige afrikanische Elefantenkühe.

VIDEO: Vollständiges Waldelefanten-Skelett ausgegraben (3 Min)

Menschen ernährten sich vom Kadaver

Der Waldelefant sei vermutlich aus Altersgründen gestorben, so Verheijen. Die Knochen wurden an einer Stelle geborgen, an der sich zu Lebzeiten des Waldelefanten das Seeufer befunden habe. "Elefanten halten sich oft am und im Wasser auf, wenn sie krank oder alt sind", sagte Verheijen. Zahlreiche Bissspuren auf den Knochen hätten gezeigt, dass sich auch Raubtiere über das tote Tier hergemacht hätten. 30 Überreste von Feuersteinen bewiesen zudem, dass auch die damaligen Menschen von dem Fleisch profitiert hätten. Das Forschungsteam habe die Feuerstein-Überreste im Umkreis und zwischen den Elefantenknochen gefunden.

20 Großsäugetierarten rund um Schöninger See

Im Umfeld des Schöninger Sees lebten nach Angaben der Forscher etwa 20 Großsäugetierarten - darunter Löwen, Bären, Säbelzahnkatzen, Nashörner, Wildpferde und weitere Huftiere. "Der Reichtum an Wildtieren ähnelte dem des heutigen Afrika", sagte Grabungsleiter Serangeli. An den Ausgrabungen waren Experten vom Senckenberg-Zentrum für menschliche Evolution und Paläoumwelt der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) beteiligt. Die Wissenschaftler wollen ihre Erkenntnisse im Fachmagazin "Archäologie in Deutschland" veröffentlichen. Die Knochen des Waldelefanten sollen im Forschungsmuseum restauriert werden, wo auch Besucher sie besichtigen können.

Forschungsmuseum Schöningen ging aus Paläon hervor

Die Ausgrabung zeige, um welch spannenden und wissenschaftlich bedeutenden Fundort es sich handelt, sagte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Das Forschungsmuseum Schöningen war im vergangenen Sommer aus dem Paläon hervorgegangen. Seitdem steht es unter der Regie des Landesamts für Denkmalpflege.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.05.2020 | 17:00 Uhr

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