Ein Kind schwimmt in einem Schwimmbecken. © dpa-Bildfunk Foto: Rolf Vennenbernd

Zu viele Nichtschwimmer: "Eine dramatische Entwicklung"

Stand: 13.11.2020 17:43 Uhr

Schon lange warnen Verbände davor, dass viele Viertklässler nicht schwimmen können. Durch die Corona-Pandemie fallen obendrein Kurse und oft auch das Schulschwimmen aus.

Die Schwimmfertigkeit erlebe zurzeit noch einmal einen heftigen Knick nach unten, sagt Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Bad Nenndorf (Landkreis Schaumburg). "Das ist eine dramatische Entwicklung." Knapp 60 Prozent der Mädchen und Jungen seien keine sicheren Schwimmer, wenn sie die Grundschule verlassen. Das habe eine bundesweite DLRG-Studie aus dem Jahr 2017 gezeigt. Diese Gruppe habe kein Jugendschwimmabzeichen in Bronze, rund ein Viertel der Kinder habe noch nicht einmal das Seepferdchen-Abzeichen.

DSV fordert mehr Zeit für Schwimmkurse

Auch der Deutsche Schwimmverband, kurz DSV, schlägt Alarm. Wenn der seit Anfang November geltendene Teil-Lockdown zu Ende sei, müssten die Bäder den Vereinen mehr Zeit für Schwimmkurse einräumen, fordert DSV-Vizepräsident Wolfgang Hein. Schon vor der Pandemie habe es für Seepferdchen- oder Bronze-Kurse vielerorts lange Wartelisten gegeben. Dabei sei es wichtig, die ausgefallenen Kurse gründlich nachzuholen. "Es geht schließlich um den Schutz vor dem Ertrinkungstod", sagt Hein. Auch die Politik sei auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gefordert.

Keine Schüler, keine Gäste - Schwimmbäder schließen

In Niedersachsen ist das Schulschwimmen seit dem 5. November verboten, der öffentliche Badebetrieb bereits seit dem 2. November. Viele Kommunen und Betreiber hätten ihre Bäder deshalb geschlossen, sagt Hein, der auch Präsident des Landesschwimmverbandes Niedersachsen ist. Dabei seien dem DSV keine Corona-Ausbrüche bekannt, die man auf Schwimmbadbesuche zurückführe.

Seepferdchen-Kurs startet im Januar, Kinder noch ohne Abzeichen

Wie sehr die Schwimmausbildung der Kinder unter der Pandemie-Situation leidet, zeigt ein Beispiel aus Achim (Landkreis Verden). Dort haben die Mädchen und Jungen, die im Januar mit dem Seepferdchen-Kurs begonnen haben, immer noch kein Abzeichen. "Viele Kinder sollten genau an dem Tag, als das Bad zum zweiten Mal dicht gemacht wurde, ihr Seepferdchen machen", erzählt eine Mutter von zwei fünf und sechs Jahre alten Töchtern. "Mein Wunsch war eigentlich, dass die Kinder vor der Schule schwimmen lernen", so die 35-Jährige. Das sei nun nicht mehr zu schaffen.

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