Ein schlechtes Zeugnis. © Picture Alliance Foto: Mascha Brichta

Zeugnisse: Die Landesregierung bekommt schlechte Noten

Stand: 29.01.2021 10:05 Uhr

Nicht nur die niedersächsischen Schülerinnen und Schüler haben an diesem Freitag ihre Zeugnisse bekommen. Lehrerverbände haben auch die Landesregierung bewertet - und vergeben dabei keine guten Noten.

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte warf Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in der Corona-Krise ein ständiges Hin- und Her vor. Das habe zu fast chaotischen Zuständen an den Schulen geführt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) kritisierte das "Schwarze-Peter-Spiel" zwischen Bund, Ländern und Kommunen in der Pandemie. Die politisch Verantwortlichen in dem Bundesland seien in der Corona-Krise "teilweise bemüht" gewesen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth in Hannover: "Das reicht nicht!" In einem Halbjahreszeugnis zur Bewältigung der Corona-Krise im Bildungsbereich stünde "Versetzung gefährdet".

GEW: "Bildungsmisere sichtbarer denn je"

Pooth sagte, durch Corona sei die Bildungsmisere sichtbarer denn je. Land, Bund und Kommunen spielten lieber "Schwarzer Peter" anstatt gemeinsam einen milliardenschweren Rettungsschirm für die Bildung zu schaffen. Die Gewerkschafterin forderte die Landesregierung auf, endlich Gelder aus dem Sondervermögen "Corona" des Landes für die Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Die Personalnot sorge für anhaltende Überlastung der Schulbeschäftigten, ihr Gesundheitsschutz sei vielerorts immer noch nicht gewährleistet, bemängelte die GEW.

Kultusminister verteidigt Entscheidungen

Das Kultusministerium verteidigte unterdessen den Beschluss, die Schulen auch in der Coronakrise offenzuhalten, und würdigte die Leistungen der Beteiligten. "Schule unter Corona-Bedingungen anzubieten ist richtig und wichtig, aber für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung", sagte Kultusminister Tonne. Die Dynamik im Pandemiegeschehen habe immer wieder Änderungen und Umsteuerungen notwendig gemacht. Aus seiner Sicht könne der Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht als sicher angesehen werden und tue den Kindern gut. Zudem sei davon auszugehen, dass das sogenannte Szenario B für die Eltern eine spürbare Entlastung darstelle bei dem "Dauerspagat von Homeoffice, Kinderbetreuung und Unterstützung beim Lernen zu Hause".

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Tonne will "klare Vorgaben" machen

Für das zweite Halbjahr kündigte er "möglichst klare Vorgaben an" - die Schulen sollen auf Grundlage von Inzidenzwerten wissen, woran sie sind. Tonne will diesen Plan nach dem Bund-Länder-Gesprächen in der zweiten Februarwoche vorstellen. Zudem werde an dem Kurs festgehalten, den Abschlussjahrgängen ihr Recht auf faire Prüfungen einzuräumen. Darauf hätten die Schülerinnen und Schüler ihr gesamtes Schulleben hingearbeitet, so Tonne.

Unterdessen verabschieden sich in Niedersachsen heute rund eine Millionen Schülerinnen und Schüler bis einschließlich nächsten Dienstag in die kurzen Zeugnis-Ferien. Schulen vergeben die Zeugnisse am geöffneten Fenster oder verschicken sie per Post oder vorab per E-Mail.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.01.2021 | 10:00 Uhr

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