Stand: 15.09.2019 20:00 Uhr

Zahl der Schulanfänger mit Sprachdefizit steigt

Seit 2014 haben viermal mehr Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung erhebliche Sprachprobleme. (Themenbild)

Viele Kinder in Niedersachsen haben bei der Einschulung massive Probleme mit der deutschen Sprache. Das geht aus neuen Zahlen des Landesgesundheitsamtes hervor, die dem NDR vorliegen. Die Daten basieren auf der Schuleingangsuntersuchung aus dem vergangenen Jahr. Demnach konnten sich knapp 5,8 Prozent der Kinder nur eingeschränkt oder gar nicht auf Deutsch verständigen. Sie konnten also beim Test einfachste Wörter nicht verstehen und nur wenig bis gar nichts auf Deutsch sagen. Im Jahr 2014 wiesen lediglich 1,5 Prozent der Kinder diese Schwäche auf.

4.000 Kinder konnten kaum Deutsch

An der Schuleingangsuntersuchung nahmen 2018 mehr als 67.000 Jungen und Mädchen teil. Von ihnen hatten etwa 4.000 Kinder gravierende Probleme mit der deutschen Sprache. "Es gibt Kinder, mit denen wir im Prinzip gar keine Kommunikation führen können", sagte die zuständige Abteilungsleiterin im Landesgesundheitsamt, Elke Bruns-Philipps dem NDR. Darüber hinaus gebe es Kinder, mit denen die Verständigung nur eingeschränkt möglich sei, die also nur über einen sehr reduzierten Wortschatz verfügten.

Problemfälle haben sich seit 2014 vervierfacht

Dass sich die Zahl der Kinder mit erheblichen Sprachproblemen seit 2014 fast vervierfacht hat, erklärt Bruns-Philipps mit dem Zuzug von Flüchtlingsfamilien. Seitdem sei die Gruppe der Kinder mit Verständigungsproblemen fast gleich geblieben. Die Zahl der Kinder, mit denen überhaupt keine Verständigung möglich war, habe aber schon wieder abgenommen.

Kindergarten-Besuch fördert die Sprachentwicklung

Aus der Statistik des Landesgesundheitsamtes geht auch hervor, dass sich der Besuch eines Kindergartens positiv auf den Erwerb der deutschen Sprache auswirkt. So hatten laut Bruns-Philipps 36 Prozent der Kinder, die keine Einrichtung besuchten, deutliche Verständigungsprobleme. Unter den Kindergartenkindern hätten lediglich fünf Prozent der Kinder diese Schwäche aufgewiesen. "Es ist gut, wenn die Kinder einen Kindergarten vor Schulantritt besuchen, weil sie dort viel an sozialer Kompetenz und Sprachkompetenz lernen", sagte Bruns-Philipps. Außerdem appelliert sie an die Eltern, so viel wie möglich mit ihren Kindern zu sprechen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.09.2019 | 08:00 Uhr

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