Stand: 04.03.2019 16:09 Uhr

Wolfsabschüsse: Lies begrüßt Vorstoß aus Berlin

Ein Wolf durchstreift ein Waldgebiet in Hasenmoor. © LLUR Foto: Heinke Tellkamp
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will den Abschuss von verhaltensauffälligen Wölfen erleichtern. In Niedersachsen ist das Echo darauf geteilt.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat den Vorstoß von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßt, denAbschuss von verhaltensauffälligen Wölfen zu erleichtern. Er sei froh, dass es gelungen sei, auch die Ministerin mitzunehmen, sagte Lies im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Die vergangenen Wochen und Monate hätten gezeigt, dass es rechtliche Rahmenbedingungen brauche, die handhabbar seien. Außerdem sei es wichtig, Wölfe viel früher zu vergrämen als bisher, wenn sie die Nähe zu Wohngebieten suchen, so Lies. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, es müsse trotz des strengen Schutzstatus möglich sein, Wölfe abzuschießen. Er fürchte ansonsten um die gesellschaftliche Akzeptanz der Raubtiere in Niedersachsen.

Zustimmung vom Bauernverband

Zuspruch für den Vorstoß aus Berlin gab es auch vom Bauernverband Nordostniedersachsen. Die Position der Ministerin decke sich mit der Position vieler Weidetierhalter, sagte Thorsten Riggert vom Bauernverband.

"Wolfsschutz wird aufgeweicht"

Schäfer Thomas Rebre aus Amelinghausen im Landkreis Lüneburg kann diese Ansicht nicht teilen. Er meint, dieser Weg führe zu keiner nachhaltigen Lösung. Er setzt sich für einen besseren Herdenschutz ein. Eine Meinung, die auch der örtliche NABU-Vorsitzende Thomas Mitschke teilt. "Wir beschäftigen uns nur noch mit dem Abschuss der Wölfe und das der Schutzstatus des Wolfes immer weiter aufgeweicht wird. Das ist nicht hinzunehmen."

Besseren Herdenschutz gefordert

Mitschke spricht sich ebenfalls für einen besseren Herdenschutz aus. So sei niedersachsenweit bei 80 Prozent der Nutztierrisse kein ausreichender Schutzzaun vorhanden gewesen.

"Entscheidung ohne Vernunft"

Deutliche Kritik am Vorstoß von Bundesumweltministerin Schulze gab es auch vom "Freundeskreis freilebender Wölfe" aus dem Landkreis Lüneburg. Die Politik entscheide ohne jede Vernunft, Lobbyisten hätten sich durchgesetzt, sagt Uwe Martens vom "Freundeskreis". Er fordert rund 1,20 Meter hohe Elektrozäune oder Herdenschutzhunde. Diese müssten im laufenden Unterhalt aber auch gefördert werden, so Martens

Streit um Abschuss eines auffälligen Leitwolfs

In Niedersachsen ist jüngst die Erlaubnis zum Abschuss eines verhaltensauffälligen Leitwolfs aus einem Rudel bei Rodewald (Landkreis Nienburg) erteilt worden. Dem Tier wurden mehrere Risse von Nutztieren nachgewiesen. Gegner eines Abschusses hatten bis zuletzt versucht, die Abschussgenehmigung juristisch zu verhindern. Letztlich hat das zuständige Oberverwaltungsgericht Lüneburg dem Antrag des niedersächsischen Umweltministeriums stattgegeben und den Abschluss erlaubt. Das Land hat nun bis 31. März Zeit, den Wolfsrüden erlegen zu lassen.

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Ein europäischer Wolf steht in einem Waldstück. © dpa/picture-alliance Foto:  Ingo Wagner

Vorstoß: "Lex Wolf" soll Abschuss erleichtern

Bundesumweltministerin Schulze will mit einer "Lex Wolf" den Abschuss von Wölfen bundesweit erleichtern. Das Landvolk Niedersachsen hält dies für überfällig. Kritik äußert der NABU. (04.03.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.03.2019 | 17:00 Uhr

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