Stand: 22.11.2018 00:01 Uhr

Wo Menschen mit und ohne Behinderung wohnen

von Bertil Starke

Bei der Hörer-Aktion "Nicht meckern, machen!" hat NDR Info Initiativen, Vereine oder Menschen aus dem Norden gesucht, die etwas bewegt und so Dinge zum Besseren verändert haben. Aus den vielen Zuschriften sind sechs Initiativen ausgewählt worden. Gemeinsam mit den vier norddeutschen Tageszeitungen "Hannoversche Allgemeine Zeitung", "Hamburger Abendblatt", "Kieler Nachrichten" und "Ostsee-Zeitung" stellen wir die sechs Projekte vor.

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Heike Reinsch (links) und Ilona Krause freuen sich auf die baldige Fertigstellung des neuartigen Wohnhauses in Hannover.

Es gibt Menschen, die lassen sich auch durch hohe Hürden nicht abschrecken. Die wollen etwas für sich und andere erreichen. Zu diesem Menschenschlag gehören die Mitglieder des Vereins "Wir Wohnen Gemeinsam" in Hannover. Sie haben ein inklusives Wohnprojekt auf die Beine gestellt, in dem Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam leben können. Eine von ihnen ist Heike Reinsch. Sie hat eine Wohnung für ihren behinderten Sohn gesucht. Im Frühjahr 2019 kann er in seine erste eigene Wohnung ziehen.  

Sie musste lange durchhalten

Noch haben rund um die roten Häuserblöcke mitten in der Südstadt Hannovers Bauarbeiter das Sagen. Zwischen röhrenden Betonmischern und Schutthaufen blickt Heike Reinsch mit einem breiten Grinsen auf den Neubau. "Ich bin total stolz, dass wir so lange durchgehalten haben", sagt sie. "Dass wir jemanden gefunden haben, der das Projekt realisiert. Und ja, ich freue mich jetzt einfach, dass es bald losgeht und unser Sohn einziehen kann."

Das Miteinander steht im Vordergrund

Der erwachsene Sohn von Heike Reinsch lebt mit einem Handicap. Momentan wohnt er noch in den Räumen der Lebenshilfe. In Kürze zieht er nun in das Gemeinschaftsprojekt. "Auf der einen Seite erhoffen wir uns für unseren Sohn, dass er noch selbstständiger wird", meint Reinsch. "Dadurch, dass er alleine eine Wohnung beziehen kann und gleichzeitig aufgefangen wird und sich in die Gemeinschaft mit - ich sag jetzt mal in Anführungsstrichen - 'normalen Menschen' einbringen kann. Also dass er ganz normal sein Leben leben kann, auch ohne unsere Unterstützung, die ja irgendwann mal wegfallen wird."

"Wie für uns gemacht"

Zu den neuen Mitbewohnern gehört Ilona Krause mit ihrem Mann und den beiden fünf- und achtjährigen Töchtern. Die Familie sei im vergangenen Jahr in das Wohnprojekt eingestiegen, erzählt Ilona Krause. "Das gemeinsame, nachbarschaftliche Wohnen ist schon länger unser Thema gewesen. Aber es bleibt ja oft bei Diskussionen darüber und theoretischen Konstrukten. Und als wir dann eben von unseren Bekannten gehört haben, dass es dieses Projekt gibt und da noch eine Vier-Zimmer-Wohnung frei ist, da haben wir gesagt: 'Ja, das machen wir.' Das war quasi wie für uns gemacht."

15 Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung

Das Haus unweit des Maschsees in Hannover besteht aus insgesamt 15 Wohnungen. Das Leitbild des Projektes ist es, Familien mit geringem und solidem Einkommen, junge und ältere Menschen mit und ohne Handicap - zum Teil in Wohngemeinschaften zusammenzubringen. Fünf Jahre nach der Gründung des Vereins ist aus der Idee ein fast fertiges Haus geworden, in dem das Miteinander im Vordergrund stehen soll, sagt Ilona Krause.

"Es wird eine Gemeinschaftwohnung geben, in der wir uns dann alle zusammen treffen können zu gemeinsamen Aktivitäten. Ob es nun Tatort-Gucken ist oder einfach nur zusammen kochen oder sich zum Frühstück treffen. Das ist auch für uns ganz wichtig, weil wir im Haus einen neutralen Raum brauchen. Denn sobald wir anfangen, uns in den privaten Wohnungen zu treffen, ist ja auch eine gewisse Hemmschwelle vorhanden."

Noch viel Arbeit vor sich

Der Verein 'Wir Wohnen Gemeinsam" soll auch nach dem Einzug weiterbestehen. Die Mitglieder sehen ihn als wichtige Plattform, um etwa Streitereien zu schlichten, aber auch um Ausflüge zu organisieren. All das ist für Heike Reinsch noch Zukunftsmusik. Vor dem Umzug ihres Sohnes von der Lebenshilfe in sein neues Zuhause muss sie noch unzählige Anträge ausfüllen. Aber aufgeben gilt nicht. 

"Es kommt so viel Arbeit auf uns zu, es ist eigentlich unbequem. Aber trotzdem bin ich davon überzeugt, dass es für unseren Sohn ein guter Schritt ist. Und deswegen machen wir das."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 22.11.2018 | 07:50 Uhr

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