Stand: 14.08.2019 14:15 Uhr

Wie viele Lehrer braucht das Land?

Zum Beginn des neuen Schuljahres hat das Land Niedersachsen 1.700 neue Lehrer eingestellt. Das seien 90 Prozent der rund 1.900 Stellen, die das Land ausgeschrieben habe. Das sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Mittwoch in Hannover. Im Jahr 2019 seien bereits rund 750 mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, als in Ruhestand gegangen sind. Die Gewerkschaft GEW kritisiert die Zahl der ausgeschriebenen Stellen aber als viel zu niedrig. Vielmehr würden allein durch die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren 1.250 Lehrer benötigt. Die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth hatte am Montag zudem betont, dass Schulen vor allem im ländlichen Raum und in Brennpunktstadtteilen sowie kleine Schulen viele ihrer Stellen nicht besetzen könnten.

Land will Lehrer mit Geld locken

Tonne räumte am Mittwoch ein, dass die Lage besonders an Haupt, Real- und Oberschulen auf dem Land angespannt sei. "Da können wir noch so viele Stellen ausschreiben, wie wir möchten - für manche Schulen gibt es einfach keine Interessenten." Daher solle künftig ein finanzieller Anreiz neue Lehrer an diese Einrichtungen locken. So könnten etwa die Umszugskosten vom Land übernommen werden.

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Lehrer werden an andere Schulen geschickt

Tonne betonte, dass offene Stellen noch den August über nachbesetzt werden könnten. Zudem sei der Anteil der Quereinstigern ohne Lehramtsstudium zurückgegangen: Für Tonne Zeichen einer Trendwende, um an den Schulen die Lücken im Lehrplan künftig dauerhaft schließen zu können. Für Franz-Josef Meier vom Lehrerverband VBE hingegen hat sich nichts Wesentliches geändert: "Es ist nicht besser als im letzten Jahr", sagte er NDR 1 Niedersachsen. So gibt es auch im neuen Schuljahr wieder Abordnungen an andere Schulen. Um die Stundenpläne zu füllen, werden im neuen Schuljahr laut NDR 1 Niedersachsen 2.300 Lehrer stunden- oder tageweise an andere Schulen geschickt, um dort zu unterrichten - darunter mehr als 500 Gymnasiallehrer.

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