Stand: 11.05.2020 15:56 Uhr

Werkverträgler: "Von Infektionsschutz keine Rede"

Schweine hängen kopfüber in einem Schlachthof. Daneben ein Mitarbeiter mit Messer. © dpa-Bildfunk Foto: Ingo Wagner
Rund 10.000 Menschen arbeiten allein in Niedersachsen als Werkverträgler in der Fleischindustrie, schätzt Daniela Reim (Symbolfoto).

Nach ersten Corona-Fällen auf einem Schlachthof im Emsland fordert Daniela Reim von der gewerkschaftsnahen Beratungsstelle für mobile Beschäftigte sofortige Maßnahmen zum Schutz der Werkvertragsarbeiter. Viele der ausländischen Arbeiter würden in überbelegten und ungeeigneten Unterkünften leben und unter denkbar schlechten Bedingungen arbeiten. "Von einem Infektionsschutz kann da keine Rede sein", sagte Reim dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Volle Busse, überbelegte Unterkünfte

Die Kälte der Schlachtanlagen, volle Transportbusse auf dem Weg zur Arbeit und überbelegte Unterkünfte böten beste Bedingungen für das Virus. Rund 10.000 Menschen würden allein in Niedersachsen unter solchen Bedingungen arbeiten, schätzt sie. Zwar dürften in einem Zimmer laut Gesetz höchstens zwei Menschen leben, doch dies werde nicht kontrolliert.

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Mitarbeiter eines Schlachthofs zerteilen am Fließband hängende Schweine. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam

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Kontrolle nur nach Ankündigung

Auch in den Betrieben mangele es an Aufsicht: Wenn der Zoll oder das Gesundheitsamt nach einer Beschwerde in den Schlachthöfen komme, geschehe dies nur nach einer Vorankündigung. "Es bleibt immer genug Zeit, den Arbeitern die richtigen Worte einzutrichtern, bevor die Kontrolleure kommen", sagte Reim. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte am Sonnabend gezielte Corona-Tests für Mitarbeiter der Fleischindustrie im Land angekündigt. Dies wurden am Montag präzisiert: Demnach sollen in den kommenden Tagen mehrere Tausend Beschäftigte fleischverarbeitender Betriebe auf das Virus getestet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.05.2020 | 16:00 Uhr

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