Stand: 07.07.2018 13:10 Uhr

Wenn Feiern ausufern: Erst Party - dann Polizei

Hannover, 30. März 2018: "Hochzeitsgäste feuern Schüsse ab". Gefühlt häufen sich solche Meldungen in Niedersachsen in jüngster Zeit. In Cloppenburg warnt die Polizei die vielen Anhänger der russischen Fußballnationalmannschaft in der Stadt schon mal vor allzu exzessiven Auftritten, nachdem es am 1. Juli nach dem Sieg über Spanien in einem Kreisverkehr zu einer 30-minütigen Verkehrsbehinderung gekommen sein soll und übermütige Fans auf Motorhauben und Autodächern Platz nahmen - während der Fahrt, wohlgemerkt. Trauriger Höhepunkt von Feiern, die völlig aus dem Ruder laufen: In Salzgitter soll ein 69-Jähriger in der Silvesternacht mit einer Pistole aus einem Café in eine Menschengruppe geschossen haben. Eine Zwölfjährige wurde dabei schwer verletzt. Der Mann muss sich nun wegen versuchten Totschlags verantworten. Er sagte aus, er habe zweimal etwa zwölf Schüsse abgefeuert - dabei aber nicht in Erwägung gezogen, dass er eine andere Person treffen könnte.

"Muss einen Zeugen haben"

Nachfrage in Salzgitter. Dort ist es am 11. September 2017 sowie am 25. Februar 2018 zu Schüssen bei Hochzeitskonvois gekommen. Ein Sprecher der Polizei bestätigte NDR.de die beiden Vorfälle. Einmal seien 30, beim zweiten Konvoi sogar 50 Fahrzeuge beteiligt gewesen. Es sei für die Beamten allerdings nicht einfach, nachzuweisen, dass tatsächlich geschossen worden ist. "Dann muss ich einen Zeugen haben", sagte der Sprecher. Ansonsten sei lediglich ein Knall zu verzeichnen und dieser könne auch genauso gut anderswo herrühren. Eine Zunahme solcher oder ähnlicher Vorfälle in der Stadt könne er allerdings nicht bestätigen. Auch in Hannover sei die Abgabe von Schüssen bisher absolute Ausnahme gewesen, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion. Eine statistische Erfassung solcher oder ähnlicher Vorfälle gebe es nicht.

Keine Statistik - auch nicht beim LKA

Auch beim niedersächsischen Innenministerium wird nicht Buch geführt, hier verweist man auf das Landeskriminalamt (LKA). Doch Frank Federau, Sprecher der Behörde, sagt: "Das ist so spezifisch, das kriegt man so nicht heraus. Dafür gibt es keinen polizeilichen Schlüssel, das Delikt ist zu speziell." Etwas anders sieht es in Bremen aus: Dort hat sich im Oktober 2017 die Innendeputation mit dem Phänomen befasst. Der Polizeivizepräsident der Hansestadt berichtete dort von einem Einsatz bei einem Autokorso. Die Beamten hätten zwei Schusswaffen, diverse Magazine und Munition, Schlagstöcke und Messer beschlagnahmt. Insgesamt wurden in der Hansestadt nach Angaben eines Polizeisprechers im Jahr 2017 etwa 20 Autokorsos registriert. "Korsos, aus denen heraus Straftaten oder grobe Ordnungswidrigkeiten begangen werden, werden gestoppt und kontrolliert. Anschließend dürfen die Autos nur noch einzeln wegfahren", so der Sprecher weiter.

Flyer soll für Klarheit sorgen

Die Polizei Bremen reagierte auch intern: Es gab es eine Veröffentlichung mit Informationen für die Polizisten im Intranet der Behörde. Dazu ist ein Flyer zum Thema Hochzeitskonovois entwickelt worden, der in den kommenden Wochen ausgeliefert werden soll. "In dem Flyer gratuliert die Polizei zu dem schönen Ereignis und gibt Hinweise, damit dieser Tag störungsfrei und unbeschwert verläuft. Hier wird den Teilnehmern aufgezeigt, dass sie sich an die Verkehrsregeln halten müssen und dass etwa das Mitführen von Waffen, das Zünden von Feuerwerkskörpern und Pyrotechnik und Abfeuern von Waffen jeglicher Art verboten ist. Dazu werden die rechtlichen Konsequenzen aufgeführt", hieß es weiter. Die Flyer sollen nun an Anbieter von Räumlichkeiten für Familien-, Betriebs- und Vereinsfeiern, Kulturvereine, Netzwerkpartner sowie Modegeschäfte verteilt werden. Ob die Idee ein Erfolg wird? Abwarten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 05.07.2018 | 14:30 Uhr

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