Weihnachtsbäume im Corona-Winter - ein unsicheres Geschäft

Stand: 21.11.2020 08:12 Uhr

Wird mehr geordert oder weniger? Die Weihnachtsbaum-Branche ist verunsichert. Das Corona-Virus hat alles verändert.

von Cornelia Meyer-Othmerding

Die Stimmung in der Familie Prüser schwankt zwischen Skepsis und verhaltenem Optimismus. Die Prüsers betreiben in Hellwege bei Rotenburg eine der größten Weihnachtsbaum-Plantagen Norddeutschlands. Pro Saison werden dort rund 10.000 Bäume geschlagen, Nordmanntannen zumeist, dazu Blaufichten. Zu Beginn der heißen Phase des Weihnachtsbaumverkaufs fragen sich die Prüsers: Bleiben wegen Corona mehr Leute zu Hause und steigt dadurch der Absatz? Oder sitzt bei vielen durch Kurzarbeit das Geld nicht so locker und gespart wird dann am Tannenbaum? Ein Feldbesuch.

In diesem Jahr ist alles anders

Sören Prüser ist Juniorchef eines Familienunternehmens, das sich seit drei Generationen mit dem Anbau von Weihnachtsbäumen beschäftigt. Auf dem 160 Hektar großen Betrieb ist die Ernte in vollem Gange, man hört die Kettensägen. Tausende von Tannen müssen bis Weihnachten gefällt werden. Bisher war dies immer ein sicheres Geschäft. Aber in diesem Corona-Jahr ist alles anders.

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Keine Planungssicherheit allerorten

"Als wir die Info bekommen haben, dass die Weihnachtsmärkte nicht öffnen dürfen, war für uns natürlich klar, dass wir dafür die Deko-Bäume auch nicht liefern können. Auch Aufträge aus dem gastronomischen Bereich fallen aus, weil nicht sicher ist, ob die Lokale wieder öffnen können", sagt Prüser. Und auch bei Großkunden - Baumärkten oder Gartencentern - herrsche keine Planungssicherheit. "Sie ordern nur zögerlich."

Direktvermarktung ist ein Standbein

Etwa 20.000 Bäume verkauft die Familie Prüser alljährlich zum Fest. Rund die Hälfte über Großabnehmer, die andere Hälfte über Direktvermarktung. 35 Verkaufsstellen betreibt die Familie in Bremen und im niedersächsischen Umland. "Unsere größte Befürchtung ist, dass unsere Verkaufsstände für die Direktvermarktung nicht öffnen können. Da haben wir die Bewerbung bereits eingereicht und entsprechende Hygienekonzepte erstellt."

Glühwein-Stand für Selbstsäger? Gestrichen!

Gespannt wartet Sören Prüser deshalb auf den nächsten Mittwoch, wenn die Bundesregierung mit den Länderchefs die neue Corona-Strategie festlegen wird. Von anderen Traditionen hat sich der Juniorchef schon jetzt verabschiedet. Dieses Jahr wird es in seinem Betrieb keinen Glühwein-Stand für die Kunden geben, die ihren Tannenbaum selbst schlagen wollen. Fest steht schon jetzt, dass die Tannen teurer werden. Etwa fünf Prozent wird Prüser aufschlagen. Er begründet das mit den Mehrkosten, die seinem Betrieb durch Corona entstanden sind: "Unsere 17 polnischen Mitarbeiter müssen in größeren Wohnungen untergebracht werden, es wurden viele Tests durchgeführt. Das sind Kosten, die ich umlegen werde."

Für die Anbieter wird es spannend

Auch Bernd Oelkers, Vorsitzender des Verbands niedersächsischer Weihnachtsbaumerzeuger, rechnet mit Preissteigerungen in diesem Winter. Etwa drei bis vier Euro werde jeder Baum wohl teurer werden, schätzt er. Viele der 3.300 Weihnachtsbaum-Erzeuger in Deutschland sehen dem bevorstehenden Fest mit Spannung entgegen. Die alles entscheidende Frage: Wie wird sich Corona auf das Geschäft auswirken? Manche Produzenten sind in dieser Frage durchaus optimistisch. Sie erwarten sogar eine größere Nachfrage als in den Vorjahren, da die meisten Familien in kleinerem Kreis in diesem Jahr vermutlich zu Hause feiern werden.

Ein "Trend zum Zweitbaum"

Auch Sören Prüser hat die Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft noch nicht aufgegeben. Verspätet würden jetzt Aufträge von Großkunden eintreffen, die früher schon im Sommer geordert hätten, sagt er. Außerdem setzt er auf die Niedersachsen, die dieses Jahr nicht in den Weihnachtsurlaub fahren: "Wenn die Leute zu Hause feiern, wollen die es sich doch bestimmt mit einem Baum schön machen. Und wir stellen immer mehr auch den Trend zum Zweitbaum fest. Einer wird jetzt schon gekauft, für die Terrasse. Und für Heiligabend kommt dann noch ein zweiter Baum dazu."

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.11.2020 | 19:30 Uhr

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