Stand: 10.06.2020 14:24 Uhr

Wasserstoff: Große Hoffnungen in Niedersachsen

Auf einer Tankklappe eines PKW steht "H2". © picture alliance/dpa Foto: Ole Spata
Beim Ausbau der Wasserstoff-Technologie will Niedersachsen eine wichtige Rolle spielen. (Themenbild)

Die Bundesregierung hat eine "Nationale Wasserstoffstrategie" verabschiedet. Der Ausbau der Technologie soll mit mehreren Milliarden Euro gefördert werden. Das Ziel: Wasserstoff ersetzt Treib- und Kraftstoffe wie Kohle, Gas und Öl. Der Beschluss schaffe erstmals verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in den klimafreundlichen Energieträger, sagte der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD). Niedersachsen sei das "Wasserstoff-Land Nummer eins" und werde deshalb vom Ausbau profitieren.

Im Fokus: Grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien

In erster Linie soll die Bundesregierung sogenannten Grünen Wasserstoff fördern. Dieser wird aus erneuerbaren Energien gewonnen, etwa aus Windenergie. Nach Ansicht von Minister Lies bietet Niedersachsen die ideale Basis, um Grünen Wasserstoff zu produzieren und über das Gasnetz in alle Teile des Landes zu transportieren. In den vorhandenen Lagerstätten - sogenannten Kavernen - könnte der Wasserstoff darüber hinaus in größeren Mengen gespeichert und vorgehalten werden. Hinzu komme, dass es in Niedersachsen auch eine Chemie- und Stahlindustrie gebe, in der das klimaneutrale Gas als Energieträger eingesetzt werden könnte, so Lies.

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Ein geöffneter Tankdeckel mit der Aufschrift "H2 Gas".

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Mit einem guten halben Jahr Verspätung legt die schwarz-rote Koalition ihre Wasserstoffstrategie vor. Doch zur Umsetzung scheint es noch ein weiter Weg. Mehr bei tagesschau.de. extern

Althusmann sieht Luft nach oben

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) begrüßt die Pläne der Bundesregierung ebenfalls, hätte sich allerdings noch ehrgeizigere Ziele beim Ausbau der Wasserstoff-Produktion gewünscht. Auch Althusmann betont die wichtige Rolle Niedersachsens: Hier könne sich "eine starke Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln", so der Minister. "Im Fahrzeugbau sind die Erfolge bereits sichtbar: Müllfahrzeuge und Kehrmaschinen mit kombiniertem Batterie- und Brennstoffzellenantrieb sind eine Entwicklung aus Niedersachsen, ebenso der weltweit erste Wasserstoffzug, der demnächst im regulären Einsatz sein wird."

Gewerkschaft: Industrie auf Wasserstoff angewiesen

Lob für die Wasserstoff-Förderpläne kommt auch von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Ihr Vorsitzender Michael Vassiliadis denkt vor allem an die Mobilitätswirtschaft und die Chemieindustrie, in der Hunderttausende Menschen beschäftigt sind und die in den kommenden Jahrzehnten auf den Wasserstoff angewiesen sein werden, wenn die Energiewende gelingen soll.

Grüne: Auch Windenergie massiv ausbauen

Ähnlich sieht das die energiepolitische Sprecherin der Grünen, die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden aus Lüneburg. Speziell in Niedersachsen gebe es viel Potenzial für die Produktion des Stoffs: "In Zeiten, in denen mehr Windenergie an Land und auf See produziert wird als gerade benötigt, kann dieser Windstrom für die Herstellung von Grünem Wasserstoff genutzt werden", so Verlinden. Allerdings müsste die Bundesregierung nach ihrer Ansicht jetzt gleichzeitig die Windenergie massiv weiter ausbauen.

Wissenschaftsminister: Projekte starten sofort

Als "unverzichtbar" für Energiewende und Klimaschutz bezeichnet auch Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) den Grünen Wasserstoff. Niedersachsen starte bereits jetzt mit Projekten: Die erste Phase der Ausschreibung "Innovationslabore für Wasserstofftechnologien" beginnt laut Ministerium Anfang Juli. Beteiligt sind demnach fünf Forschungsverbünde, die zunächst für zehn Monate mit insgesamt 500.000 Euro unterstützt werden. Entwickelt werden sollen "anwendungsnahe und umsetzbare Ideen für überzeugende Forschungs- und Transferkonzepte". Diejenigen "Innovationslabore", die sich in diesem Wettbewerb durchsetzen und ausgewählt werden, erhalten jeweils bis zu zwei Millionen Euro für eine dreijährige Umsetzungsphase.

Neun Milliarden Euro stecken im Paket

Die Bundesregierung bringt mit ihrer Strategie ein Paket auf den Weg, das aus einer ganzen Reihe einzelner Maßnahmen besteht. So sollen unter anderem Wasserstoff-Anlagen aufgebaut werden, die Entwicklung von Wasserstoff-Fahrzeugen und -Zügen will man fördern und ein Tankstellennetz aufbauen. Insgesamt stellt die Regierung sieben Milliarden Euro zur Verfügung, damit sich der Wasserstoff als Ersatz für Kohle, Gas und Öl etablieren kann. Weitere zwei Milliarden Euro soll es für Kooperationen mit ausländischen Partnern geben. Gerade hat die Bundesregierung eine Absichtserklärung mit Marokko unterzeichnet, wo eine Produktionsanlage für Grünen Wasserstoff entstehen soll.

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Eine Zapfpistole steckt in Hamburg an der Wasserstofftankstelle in der Hafencity. © dpa Foto: Angelika Warmuth

Lob und Kritik für Wasserstoffstrategie

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.06.2020 | 15:00 Uhr

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