Stand: 09.09.2019 20:18 Uhr

Waldsterben: 1,5 Millionen Euro Soforthilfe

Niedersachsens Wäldern geht es schlecht. Diese Diagnose ist nicht neu, wurde am Montag von Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) beim Waldgipfel in Hannover noch einmal wiederholt. "Die Waldbesitzer erleben aktuell ein flächenhaftes Siechtum ihrer Wälder", sagte Otte-Kinast nach dem Treffen mit dem Waldbeirat, dem 21 Organisationen angehören. Im NDR Fernsehen sprach sie von einer "Jahrhundertkatastrophe".

Waldschutzhilfe auf 3,8 Millionen erhöht

Nicht nur Fichten, auch Buchen, Kiefern, Eichen und Ahorn litten mittlerweile unter veränderten Bedingungen, sagte Otte-Kinast. Millionen Bäume seien wegen Hitze und Trockenheit abgestorben. Rund 10.000 Hektar Wald seien verloren gegangen. Insgesamt sind etwa 1,2 Millionen Hektar in Niedersachsen bewaldet. Das Land will den Waldbesitzern nun 1,5 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung stellen. "Die Erhaltung unseres Waldes hat für mich in diesem Jahr höchste Priorität", sagte die Ministerin. Bereits im Juli hatte sie angekündigt, die Waldschutzhilfe für Niedersachsen von 1,2 Millionen Euro auf 3,8 Millionen Euro zu erhöhen. Insgesamt bräuchte das Land 12,5 Millionen Euro jährlich, um die Wälder wiederaufzuforsten, sagte Otte-Kinast am Montag.

Hilfskräfte sollen Schäden erkennen

Mit der finanziellen Soforthilfe soll unter anderem die Ausbreitung des Borkenkäfers bekämpft werden, etwa mittels Fallen und Lockstoffen, die den privaten und kommunalen Waldbesitzern unentgeltlich überlassen werden. Zudem soll der Einsatz geschulter Hilfskräfte zur Früherkennung von Schäden durch den Borkenkäfer gefördert werden.

Zehn Prozent sollen natürlich bleiben

Doch wie den Problemen langfristig begegnet werden soll, ist umstritten. Der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen geht davon aus, dass es günstiger und umweltfreundlicher ist, Teile der Wälder sich selbst zu überlassen. Tatsächlich hatte die Landesregierung 2017 mit dem Programm "NWE10" beschlossen, dass zehn Prozent der Fläche der Niedersächsischen Landesforsten einer natürlichen Waldentwicklung überlassen werden.

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Zugang zur staatlichen Förderung soll einfacher werden

Nun aber sagte Otte-Kinast, dass es "ökologisch fragwürdig" sei, den Wald sich selbst zu überlassen. Aufgrund der Klimaveränderung könnten sich Fehlentwicklungen und Waldschutzprobleme ungehindert ausbreiten. Auch wirtschaftlich sei dieser Ansatz nicht klug. Stattdessen müssten klimaangepasste Mischwälder aufgebaut werden - Otte-Kinast sprach von "ganz wichtigen Entscheidungen für die nächsten 100 Jahre". Hierfür soll der Zugang zur staatlichen Forstförderung einfacher werden.

Nationaler Waldgipfel am 25. September

Kritik an der Ministerin kommt von der Grünen-Agrarpolitikerin Miriam Staudte. Otte-Kinast habe den Schutz der Wälder "regelrecht verschlafen", so dass nun zu wenig Geld bereitstehe. Als gutes Beispiel nannte sie Hessen. Die Landesregierung aus CDU und Grünen habe Ende August angekündigt, bis 2023 rund 170 Millionen Euro in die Wälder zu investieren. Auf Bundesebene strebt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei einem nationalen Waldgipfel am 25. September Beschlüsse an. Die Forstwirtschaft fordert einen umfassenden "Pakt für den Wald".

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Hallo Niedersachsen | 09.09.2019 | 19:30 Uhr

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