Stand: 24.04.2020 16:06 Uhr

Waldbrand verhindern: Land legt Aktionsplan vor

Ein brennender Wald bei Lingen.
Bei dem trockenen Boden ist ein Waldbrand dieser Tage schnell entfacht. (Themenbild)

Die anhaltende Trockenheit hat in Niedersachsen erste Waldbrände ausgelöst - und die Feuergefahr bleibt vielerorts hoch. Laut Landwirtschafts- und Forstministerium ist ein unerfreulicher Rekord erreicht: "Noch nie landeten so früh im Jahr so viele Warnmeldungen bei der Waldbrandzentrale in Lüneburg", teilte das Ministerium mit. Seit dem 16. März ist die Waldbrandzentrale wieder besetzt. Von dort aus wird der Nordosten überwacht: 20 Kameras an 17 Standorten decken laut Ministerium 400.000 Hektar Wald in den Hauptrisikogebieten ab. Die Bilder laufen in der Zentrale zusammen. Im Durchschnitt gebe es 100 Brandmeldungen pro Jahr - außer Konkurrenz läuft hierbei allerdings der Extremsommer 2018 -, in diesem Jahr habe man bereits jetzt 57-mal Rauch entdeckt.

VIDEO: "Wir müssen Waldbrände früh erkennen" (21 Min)

Digitale Waldbrand-Karten für alle Regionen

950.000 Euro will das Landwirtschaftsministerium in den kommenden beiden Jahren in die Waldbrandfrüherkennung investieren. Gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) hat das Landwirtschaftsministerium nach eigenen Angaben die Waldbrandeinsatzkarten für mittel- und hochwaldbrandgefährdete Gebiete aktualisiert. "Die Bereitstellung für den übrigen Teil des Landes wird mit Hochdruck verfolgt", so das Landwirtschaftsministerium.

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Ein Warnschild an einem Baum weist auf die Waldbrandgefahr hin © Christine Raczka Foto: Christine Raczka

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Frühe Entdeckung ist entscheidend

Das Innenministerium sprach am Freitag von einem "Aktionsplan" zum Schutz vor Wald- und Flächenbränden. Diese will man so frühzeitig wie möglich erkennen - auf diese erste Phase komme es an, sagte Landesbranddirektor Jörg Schallhorn bei einer Pressekonferenz. Je später man mit der Bekämpfung beginne, desto schwieriger werde diese.

Fokus auf Einsätze aus der Luft

Die Brandbekämpfung aus der Luft nimmt in diesem Plan einen hohen Stellenwert ein. Unter anderem werde ein Hubschrauber der Landespolizei dafür mit einem Lasthaken und einem Außenbehälter für knapp 1.000 Liter Wasser ausgerüstet. "Die zukünftige Flotte von Polizeihubschraubern wird diesen Lasthaken schon gleich dabeihaben", sagte Schallhorn. Neben Hubschraubern von Landes- und Bundespolizei sollen außerdem private Helikopter zum Einsatz kommen können. Derzeit werde hierfür ein "Vertrag zur zuverlässigen Bereitstellung von privaten Hubschrauberkapazitäten ausgeschrieben", hieß es vom Innenministerium.

Feuer früh entdecken: Mehr Überwachungsflüge

Mit Einsätzen aus der Luft soll auch die schnelle Entdeckung von Bränden möglich gemacht werden. Hubschrauber der Landes- und Bundespolizei sollen mehr fliegen als bisher, das gleiche gilt für den Feuerwehr-Flugdienst. Und da Brände sich nicht an Landesgrenzen hielten, würden auch Gebiete eines Nachbarn mit überwacht: "Gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt haben wir uns darauf verständigt, dass die geplante Flugroute den gesamten Harz abdeckt", sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). "Die genauen Routen wurden schon bei den Flügen in dieser Woche erprobt."

Ausschreibungen für Geräte in Vorbereitung

Für die Umsetzung des Waldbrand-Plans ist noch einiges an neuen Gerätschaften notwendig. Um die Brandbekämpfung aus der Luft zu unterstützen, soll eine Bodenstation eingerichtet und ausgerüstet werden - hierzu werde eine Ausschreibung vorbereitet. Außerdem prüfe man Kooperationen, um neue Typen geländefähiger Tanklöschfahrzeuge zu erproben. Laut Schallhorn soll ein Prototyp zum Einsatz kommen, der speziell für Wald- und Flächenbrände geeignet sei.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.04.2020 | 19:30 Uhr

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