Volle Praxen: Hausärzte in Niedersachsen am Limit

Stand: 23.10.2020 09:10 Uhr

Immer mehr Hausärzte kommen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie an ihre Belastungsgrenze. Viele Patienten kommen derzeit in die Praxen. Erste Verbände schlagen jetzt Alarm.

Während zu Beginn der Pandemie im Frühjahr noch viele Menschen einen Besuch beim Arzt vermieden haben, hat sich die Lage in den Praxen mittlerweile geändert. Zum einen testen Hausärzte auf das Coronavirus. Gleichzeitig sind die Bürger aufgerufen, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. "Wir sind am Limit", sagte der Präsident des Braunschweiger Hausärzteverbandes, Carsten Gieseking. Aktuell kämen sehr viele Menschen, die eine Grippeschutzimpfung wünschten, allerdings gebe es derzeit keinen Impfstoff. Patienten das zu erklären, koste viel Zeit.

Patienten kommen mit Schnupfen oder Husten

Das kann auch Uwe Lankenfeld vom Hauärzteverband Osnabrück bestätigen. Die Nachfrage nach einer Grippeschutz-Impfung sei so hoch wie nie. Außerdem kommen viele Patienten mit leichten Erkältungssymptomen wie Schnupfen oder Husten in die Praxen, die sonst einfach zu Hause geblieben wären. Könne bei ihnen eine Corona-Infektion nicht ausgeschlossen werden, müssten Abstriche gemacht werden, sagte Lankenfeld. Das belaste enorm.

Neue Verordnungen machen Lage unübersichtlich

Doch nicht nur die vielen Patienten sorgen für zusätzliche Arbeit. Hinzu kommen laut Christiane Mahnke vom Landeshausärzteverband auch ständig neue Verordnungen vom Bund. Diese müssten oft innerhalb weniger Stunden umgesetzt werden. Das sei für einige Kollegen kaum zu schaffen, wie auch Uwe Köster von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen kritisiert. Die Lage ändere sich ständig. Für viele Hausärzte sei es schwierig, den Überblick zu behalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.10.2020 | 10:00 Uhr

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