Stand: 23.02.2018 11:36 Uhr

Volle Frauenhäuser: Reimann für Rechtsanspruch

Nach der NDR Berichterstattung über massiv überlastete Frauenhäuser in Niedersachsen hat sich Sozialministerin Carola Reimann (SPD) eingeschaltet. In einer Sitzung des Ausschusses für Soziales brachte Reimann am Donnerstag einen möglichen Rechtsanspruch für Frauen, die abgewiesen wurden, ins Spiel. Darüber berichtet das Politikjournal Rundblick.

Städte- und Gemeindebund erwartet Kostenübernahme

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Platzmangel: Frauenhäuser in Not

18.02.2018 19:30 Uhr
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Die Frauenhäuser in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr mehr als 2.600 Mal gefährdete Frauen abweisen müssen. Es fehlen Hunderte Plätze. Video (06:11 min)

Zuvor hatte es im Ausschuss Kritik am Vorgehen der Kommunen gegeben. Gudrun Pieper (CDU) und Sylvia Bruns (FDP) monierten, dass sich diese immer stärker aus der Finanzierung der Frauenhäuser zurückzögen. Reimann reagierte darauf: "Wir erwarten, dass die Kommunen ihren Beitrag leisten. Mit einem Rechtsanspruch ließen sie sich finanziell binden", so die Ministerin laut Rundblick. Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, hält einen solchen Rechtsanspruch auf einen Platz in Frauenhäuser für diskussionswürdig, verknüpft dies aber mit einer finanziellen Forderung: Das Land müsse die entstehenden Kosten dann übernehmen, die finanziellen Mittel der Kommunen seien sehr begrenzt, so Bullerdiek.

Unterschiedliche Finanzierung, unterschiedliche Träger

Die Frauenhäuser in Niedersachsen sind nach NDR Recherchen massiv überlastet. Mehr als 2.600 Frauen wurden landesweit im vergangenen Jahr abgewiesen, wie eine Abfrage des NDR Regionalmagazins Hallo Niedersachsen zeigt. Die 40 Frauenhäuser finanzieren sich auf unterschiedliche Weise: Alle erhalten Geld vom Land und von der jeweiligen Kommune, das die Personalkosten, die Betreuung und einen Teil der Sachkosten abdecken soll. Bei finanzstarken Kommunen funktioniert das. Aber weil die Unterbringung im Frauenhaus eine freiwillige soziale Leistung ist, bekommen die Häuser Jahr für Jahr unterschiedlich viel Geld - je nach Auslastung. Auch die Träger sind verschieden. Manchmal ist es die Kommune, mitunter sind es Wohlfahrtsverbände, an anderen Orten sind es Vereine. Gerade die kleinen Frauenhäuser sind finanziell oft schwächer aufgestellt und müssen sich regelmäßig um Spenden bemühen.

Beratung und Hilfe für Frauen

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 erhalten Betroffene 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr Beratung. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte erhalten anonym und kostenfrei Hilfe.

Weitere Informationen

Frauenhäuser voll: Tausende Frauen abgewiesen

Die Frauenhäuser in Niedersachsen sind massiv überlastet. Das zeigt eine Abfrage von Hallo Niedersachsen. 2017 wurden Frauen mindestens 2.600 Mal wegen Platzmangels abgewiesen. (18.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 18.02.2018 | 19:30 Uhr

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