Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum der Integrierten Gesamtschule IGS Lehrte. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Viele Schulen in Niedersachsen warten weiter auf Luftfilter

Stand: 25.08.2021 19:14 Uhr

Von einer flächendeckenden Ausstattung mit mobilen oder stationären Luftfiltern an den Schulen ist Niedersachsen wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres weit entfernt.

Gründe dafür sind unter anderem noch laufende Ausschreibungsverfahren, Material-Engpässe und unklare Förderbedingungen seitens des Landes, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter niedersächsischen Kommunen hervorgeht. Grundsätzlich sollen Klassenzimmer, da wo es möglich ist, regelmäßig durchlüftet werden. Wo das Lüften schwierig ist, sollen Luftfilteranlagen einen zusätzlichen Infektionsschutz in den Schulen bieten. Ein Überblick:

Die Stadt Braunschweig gibt an, Einschätzungen des Umweltbundesamtes zu folgen und vor allem auf regelmäßiges Lüften zu setzen, um eine Verbreitung von Aerosolen zu verhindern. Dort, wo ein regelmäßiges Lüften nicht möglich ist, sollen Ventilatoren in die Fenster der Klassenzimmer eingebaut werden. Diese Aufrüstung betrifft laut Stadtverwaltung etwa 200 der insgesamt 2.000 Klassenräume. Wegen der aktuellen Marktlage müsse aber damit gerechnet werden, dass der Einbau erst schrittweise zwischen Oktober dieses Jahres und Februar 2022 erfolgen kann.

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Infektionsschutz- und CO2-Ampeln als Alternative

Eine flächendeckende Beschaffung von Luftfiltern sieht auch die Stadt Hannover nicht vor. Sie kündigte am Mittwoch aber den Kauf von mobilen Anlagen für 200 Klassenräume an. Zunächst würden 40 Geräte beschafft. Die Filter würden in Räumen eingesetzt, die sich nur schwer belüften lassen. Im vergangenen Jahr war in diesen Räumen für Frischluft gesorgt worden, indem Kippsperren an den Fenstern entfernt wurden. Diese Sperren würden wieder eingebaut. Außerdem erhielten die Klassen 1 bis 6 flächendeckend sogenannte CO2-Ampeln. Für die Klassen darüber könnten die Schulen die Messgeräte selbst anschaffen. Außerdem werde im kleineren Rahmen der Einsatz sogenannter Infektionsschutzampeln erprobt.

Ein Viertel der Schulen ist ausgestattet

Die Region Hannover hat für zwei der insgesamt 30 Schulen in ihrer Trägerschaft 123 mobile Lüftungsanlagen angeschafft. An sechs Schulen werden bereits bestehende Lüftungsanlagen nachgerüstet. Insgesamt sind laut Verwaltung ein Viertel der Schulen mit Luftfiltern oder Lüftungsanlagen ausgestattet - das betrifft aber nur Räume mit unzureichenden Lüftungsmöglichkeiten. Bei der Förderung meldete die Region noch Unsicherheiten. "Beim Entwurf des Landesprogramms sind noch viele Fragen offen", teilt eine Sprecherin mit. Das Programm passe nur eingeschränkt zum Bedarf der Schulen.

Bis Schuljahresbeginn kein Einbau von Anlagen

Osnabrück will in einem ersten Schritt 200 Luftreinigungsanlagen mit sogenannten HEPA-Filtern anschaffen. Dazu laufe aktuell die europaweite Ausschreibung, teilt die Stadt mit. Die Nachfrage auf dem Markt sei aber groß, daher werde man bis zum Schuljahresbeginn noch keine der Anlagen einbauen können. Inwieweit die Anschaffung in Höhe von 800.000 Euro vom Land gefördert werden kann, ist laut Stadtverwaltung noch nicht absehbar. "Eine Schwierigkeit ist in der Tat die fehlende Sicherheit bei der Förderung aufgrund der noch nicht vorliegenden Förderrichtlinie", berichtet ein Sprecher.

Für zwei Schulen Förderungen beantragt

Der Landkreis Emsland will vor allem auf eine "bestmögliche Lüftung" in den Klassenräumen setzen. Mobile Luftfilter sollen dazu nicht angeschafft werden. Vielmehr setzt die Kreisverwaltung auf den Einsatz von stationären Raumlufttechnischen Anlagen (RLT), die künftig im Rahmen von Baumaßnahmen und bei Bedarf in den kreiseigenen Schulen eingebaut werden sollen. Für zwei Schulen in Meppen und Papenburg sind dazu Förderungen bereits beantragt.

300 Geräte für Grundschulen - die Ausschreibung läuft

Die Stadt Oldenburg teilt auf Anfrage mit, man sehe Luftfilter als "eine wichtige Ergänzung für andere Maßnahmen". Seit Anfang August laufe daher eine europaweite Ausschreibung für eine größere Beschaffung von rund 300 Geräten. Damit sollen vor allem die Räume der Oldenburger Grundschulen ausgestattet werden. Die Kosten werden auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Wegen des zeitaufwendigen Vergabeverfahrens werde eine Ausstattung zu Beginn des neuen Schuljahres aber nicht geschafft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.08.2021 | 11:00 Uhr

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