Zwei Personen gehen durch die sonst menschenleere Innenstadt Oldenburgs. Die Geschäfte sind geschlossen. © picture alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Verlängerte Corona-Regeln: Akzeptanz und Skepsis im Land

Stand: 03.12.2020 13:12 Uhr

Bis zum 10. Januar sollen die geltenden Einschränkungen verlängert werden. Das haben Bund und Länder beschlossen. Die Stimmung in Niedersachsen schwankt zwischen Zustimmung und Zukunftsangst.

Die niedersächsischen Landkreise begrüßen den Beschluss, den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch mit den Länderchefs getroffen hat. Die Kontaktregeln bis in den Januar zu verlängern, sei konsequent und sachgerecht, sagte der Hauptgeschäftsführer, Hubert Meyer. Die Zahl der Neuinfektionen müsse weiter gesenkt werden, damit die Gesundheitsämter wieder alle Kontakte nachverfolgen könnten. Kanzlerin Merkel sagte im Anschluss an die Beratungen, dass Deutschland noch "sehr weit entfernt" von Zielwerten sei. Man habe eine sehr hohe Zahl von Todesopfern zu beklagen.

"Mehrmonatiger Lockdown nur schwer vorstellbar"

Der Städte- und Gemeindebund dringt indes darauf, dass es nach der Verlängerung der Maßnahmen längerfristige Perspektiven geben müsse. "Ein mehrmonatiger Lockdown, der auch zu Beginn des Jahres 2021 fortbesteht, ist nur schwer vorstellbar", sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Das gelte nicht nur aus der Perspektive der betroffenen Unternehmen und der Wirtschaft, sondern auch aus Sicht der Menschen, die sich zu Recht "ein wenig Normalität" zurückwünschten.

Dehoga hat mit Verlängerung gerechnet

Wenig überrascht über die Verlängerung ist der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Niedersachsen. Rainer Balke hofft zwar, dass die Restaurants wieder öffnen dürfen, wenn Niedersachsen früher unter eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 pro 100.000 Einwohner kommen sollte. Die meisten Gastwirte gingen aber davon aus, dass sie erst nach dem 10. Januar wieder öffnen werden, sagte Balke im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Die Tourismusverbände an der Nordseeküste gehen derweil davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage für viele Restaurants, Hotels und Servicebetriebe weiter verschlechtert. In jeder weiteren Woche, die Betriebe schließen müssten, verschärfe sich die Situation, sagte die Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH, Wiebke Leverenz.

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Für Kulturschaffende eine "Katastrophe"

Für den Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände kommen die harten Einschnitte nach Angaben von Sprecher Hans Lochmann einer Katastrophe gleich. Dies gelte vor allem für freie und private Theater, Vereine sowie die vielen Solo-Selbstständigen in der Branche. Darüber hinaus fürchtet Lochmann auch für die Zeit nach der Krise Einschnitte. Seine Sorge ist, dass Kommunen, Land und Bund Fördermittel im Kulturbereich kürzen könnten, wenn es darum gehe, die hohen Schulden der Corona-Krise wieder abzubauen.

Nächster Bund-Länder-Gipfel für 4. Januar geplant

Nach Angaben von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wollen Bund und Länder am 4. Januar den weiteren Kurs festlegen. Vor Weihnachten solle die Vereinbarung von Bund und Ländern noch einmal überprüft werden. "Es liegen aber noch anspruchsvolle Wochen vor uns", sagte Weil. "Wir bitten die Menschen nachdrücklich, auch weiterhin äußerste Zurückhaltung zu wahren bei ihren direkten Kontakten und sehr konsequent die Regeln zu beachten." Man dürfe den in Niedersachsen zu beobachtenden leichten Rückgang der Corona-Infektionszahlen nicht durch unvorsichtiges Verhalten gefährden. "Insgesamt habe ich aber einen vorsichtig optimistischen Ausblick auf das nächste Jahr", so Weil weiter. In Niedersachsen mache man derzeit durchaus Fortschritte - bei den Infektionszahlen ebenso wie bei den Vorbereitungen auf hoffentlich bald beginnende Impfungen.

Bis Weihnachten verschärfte Regeln

In der vergangenen Woche hatten sich Bund und Länder auf eine Verschärfung der seit Anfang November geltenden Corona-Beschränkungen verständigt. Derzeit dürfen sich nur noch fünf Menschen aus maximal zwei Haushalten treffen. Über die Feiertage soll diese Regelung gelockert werden. Dann sind Treffen von maximal zehn Menschen erlaubt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.12.2020 | 12:00 Uhr

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