Eine Hand hält einen Covid-19-Impfstoff und eine Spritze. © picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Vereinigung der Kassenärzte warnt: Impfversprechen in Gefahr

Stand: 14.04.2021 08:28 Uhr

Kommt der nächste Dämpfer für Niedersachsens Impfstrategie? Nach Lieferkürzungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer befürchten die niedergelassenen Ärzte eine Benachteiligung.

Demnach befürchten Fach- und Hausärzte, die seit Ostern mitimpfen, dass die versprochenen Dosen zum Teil an die Impfzentren gingen. "Die Zuteilung für die Hausärzte wurde halbiert. Daher wächst bei den niedergelassenen Ärzten die Sorge, dass sie in den kommenden Wochen eher weniger als mehr am Impfgeschehen teilhaben können", sagte Andreas Gassen, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Den Ausgleich der ausgefallenen Liefermengen mit dem AstraZeneca-Impfstoff hält Gassen für wenig praktikabel. "Das wird so nicht aufgehen."

Impfkampagne gerät "massiv ins Stocken"

Er halte es für ein Problem, wenn der Biontech-Impfstoff an die Impfzentren gehe und die Praxen mit dem umstrittenen AstraZeneca-Vakzin versorgt würden, das bei unter 60-Jährigen derzeit nicht verwendet werden darf. Gassen befürchtet, dass die "die Impfkampagne massiv ins Stocken" gerät, sollte an diesem Vorgehen festgehalten werden. "Das darf nicht passieren." Deutschlandweit könnten Praxen bis zu fünf Millionen Menschen pro Woche impfen, sagte der Verbandschef. "Kommt nicht mehr Impfstoff in die Praxen, wird das Impfversprechen, wonach im Sommer alle Willigen immunisiert sein können, nicht zu halten sein."

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KVB-Chef: Stiko muss AstraZeneca-Vorbehalte ausräumen

Die Hausärzte hätten nicht die Zeit, "um bei jedem Patienten AstraZeneca-Vorbehalte auszuräumen, zumal die Ständige Impfkommission (stiko) hier Verwirrung gestiftet hat", sagte Gassen. "Von der Stiko muss deshalb jetzt ganz schnell eine klare Ansage kommen, für wen AstraZeneca gut geeignet ist. Dafür haben wir die Kommission ja." Auch müsse für das Vakzin die Priorisierung sofort aufgehoben werden. "Dann finden sich schnell sehr viele Menschen, die sich damit impfen lassen werden."

Sind Hausarztpraxen "Resterampe"?

Das sieht Carsten Gieseking aus Müden (Landkreis Gifhorn) genau so. Die Verteilung sei nicht gerecht, klagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes in der Region Braunschweig. Die Hausarztpraxen würden wie die Resterampe behandelt, kritisiert Gieseking. Impfstoffe würden nicht mehr geliefert wie bestellt, sondern gebündelt vergeben - also inklusive AstraZeneca-Vakzin. Doch bei diesem seien viele Patienten skeptisch, weil sie durch widersprüchliche Empfehlungen von Experten verunsichert seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.04.2021 | 10:00 Uhr

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