Stand: 03.06.2020 15:23 Uhr

Verein hilft zu Corona-Zeiten bei Lehrstellensuche

von Sabine Hausherr
Peter Schürmann führt per Videochat ein Gespräch mit einem Ausbildungsplatzsuchenden. © NDR
Viele Bewerbungsgespräche finden derzeit per Video statt.

Lukas sucht seit zwei Jahren nach einer Lehrstelle. 50 Bewerbungen hat er schon geschrieben - bislang ohne Erfolg. Er träumt von einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Der 22-Jährige hat einen erweiterten Realschulabschluss, allerdings nicht mit den besten Noten. Jetzt in Zeiten von Corona ist es für ihn noch schwieriger geworden, einen Ausbildungsplatz zu finden. Persönliche Vorstellungsgespräche wurden abgesagt, stattdessen muss er sich per Videotelefonie bewerben. Selbst für die Mobilfunk-affine Generation ist das aber irgendwie seltsam. "Übers Handy kommt man ganz anders rüber", klagt er.

Ehrenamtliche unterstützen bei Lehrstellensuche

Auf der Suche nach Unterstützung hat sich Lukas an den Verein Partnerschaft für Lehrstellen in Salzgitter gewandt. Zehn ehrenamtliche Mitarbeiter helfen Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit rund 20 Jahren bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Sie geben Tipps für den Lebenslauf und das Anschreiben und gestalten mit den Bewerbern eigene Bewerbungsvideos. "Gerade junge Leute mit einer nicht ganz stringenten Schulausbildung müssen wir nun unterstützen", sagt Geschäftsführer Peter Schürmann dem NDR Fernsehen. Denn genau diese Jugendlichen bräuchten jetzt ein Ziel. "Wir können es nicht zulassen, dass wir diese Generation in die Perspektivlosigkeit laufen lassen", sagt der pensionierte Schulleiter.

Ratschläge fürs Bewerbungsgespräch

Auf mehreren Smartphones sind Videochat-Fenster geöffnet. © NDR
Die Bewerber bekommen Tipps für die Vorstellungsgespräche.

Knapp 30 Bewerber konnte der Verein so in den vergangenen Wochen schon vermitteln. Auf seiner Internetseite finden sich bis zu 1.000 offene Lehrstellen, auf die sich Interessenten bewerben können. Den Jugendlichen rät er, Schwachstellen direkt im Bewerbungsgespräch anzusprechen. "Gerade wenn ich einen Knick in der Biografie habe, etwa eine Fünf in Mathematik, sollte man das direkt ansprechen und sagen, wie man das ändern will", rät er. "Damit können Arbeitgeber deutlich besser umgehen als mit so einer Rumeierei."

Weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr

Sorgen bereitet Schürmann, dass viele kleinere und mittelständische Unternehmen ihre eigentlich eingeplanten Ausbildungsstellen wegen der Corona-Krise wieder zurückziehen. Das bestätigt auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Niedersachsen. Bis April habe man im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 18 Prozent festgestellt, so die IHK. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Minus von 1.800 Ausbildungsplätzen. "Überdurchschnittlich weniger Verträge stellen wir aktuell in Hotellerie und Gastronomie fest", sagt Hauptgeschäftsführer Horst Schrage. "Auch weite Bereiche des Einzelhandels, des Reisegewerbes sowie weiterer Dienstleistungsbranchen sind in ihren Personalplanungen sehr zurückhaltend." Ein Grund für den Rückgang ist allerdings auch der fehlende Abiturjahrgang wegen der Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren.

Auch Agentur für Arbeit reagiert

Peter Schürmann telefoniert deshalb derzeit täglich mit Unternehmern aus Salzgitter, Braunschweig und Hannover. Dabei versucht er sie zu überzeugen, doch noch auszubilden und schlägt ihnen Bewerber vor. Die Agentur für Arbeit hat ebenfalls reagiert und die App AzubiWelt eingerichtet. Auch hier können Jugendliche online nach offenen Stellen suchen und sich auch gleich bewerben.

Bis zu 100 jungen Erwachsenen will Schürmann in diesem Jahr noch zu einem Ausbildungsplatz verhelfen. So wie Lukas. Denn den 22-Jährigen belastet derzeit am meisten die Angst, in diesem Jahr doch keinen Ausbildungsplatz mehr zu finde. "Man will ja mit seinem Leben etwas anfangen", sagt er.

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